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tägliches literarisches Blogjournal mit Lyrik und Prosa

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J.B. Deluder: Die Kronkorken-Verschwörung (15.FortsetzunG)

 Und siehe da, dies wusste ich noch aus den BND-Akten, denn wir verbrachten unsere Altakten zur Entsorgung an diese Firma, innerhalb kürzester Zeit erhielt der abgebrühte Herr eine Baugenehmigung für eine Müllverbrennungsanlage. Selbst der Innenminister des Bundeslandes war sehr angetan von den Plänen, sollte es doch einige hundert neuer Arbeitsplatze geben. Was dann aber geschah, sollte für Verstimmung sorgen. Die

örtlichen Bauunternehmungen erhielten nicht einen Auftrag. Diese ehrlichen Leute hatten zu billig angeboten, denn der Meister von Dreck und Müll wollte ein möglichst teures Bauwerk, um weitere Landes- und EU-Mittel abzuzweigen. Natürlich flossen reichlich Euros in schwarze Kassen, was dafür sorgte, dass die anfänglichen Proteste im Sande verliefen.

Schließlich lud man Presse, Funk und Fernsehen ein, denn eine Reihe illustrer Gäste aus Wirtschaft, Kultur und Politik war zur Eröffnung eingeladen. Der besondere Clou bestand darin, dass der aktuelle Mittelstürmer der deutschen Fußballnationalmannschaft den Startknopf per Direktschuss in Betrieb nehmen sollte. Besser wäre es gewesen, einen Bundesligalegionär aus Brasilien zu nehmen, denn nachdem der verzweifelte Millionär (vier Millionen Euro Jahressalär, nur so am Rande bemerkt) einhundertundvier Bälle versiebt

hatte, wurde der Champagner kalt und der Hummer warm. Zum Glück war einer aus der 54er WM-Mannschaft auch als Gast geladen, der nur einen Versuch brauchte und die Öfen heizten an.

Die Planzahlen allein waren schlimmer als der Bundeshaushalt. Unter Vorspiegelung einer Auslastung von einhundert Prozent wären die Fixkosten im Nu eingespielt worden. Nun aber dümpelte die Anlage vor sich hin, keine Mengen, folglich immense Fixkosten und drohende Kurzarbeit. Sollten etwa die Gebühren erhoben werden, die erst kurz vorher mit einem Zuschlag von fast siebzig Prozent für Unmut bei den Bürgern gesorgt hatten? Zwar leitete

der geschickte Wirtschaftskapitän einige Abfallströme unnötigerweise aus der Sortieranlage um, aber die Kapazitäten wurden in keiner Weise erreicht.

Wie durch Zufall wusste der Mann wieder Rat. Er hatte einen guten Freund, einen Italiener, der für „kleines Geld” unendliche Abfallmengen herankarren könnte. Man bräuchte nur den Abfall als Wirtschaftsgut deklarieren und könnte diesen dann grenzüberschreitend und EU-normgerecht nach Deutschland importieren.

Natürlich gab es in dem weit verzweigtem Wirtschaftsimperium eine entsprechende

Spedition, die unter Umgehung aller gesetzlichen Ausschreibungen die Transporte organisierte und jetzt erst fielen mir die Schuppen nicht nur vom Kopf, sondern auch von den Augen:

Eine gewisse Aphrodite Streuß war die Geschäftsführerin. All diese Gedanken sortierte ich, bevor mich mein Zweirad zu dem GewerbegebietNeuer Westen“ brachte, dem Ziel meiner Reise.

Schnurstracks raste ich die Baustraße hin zu dem alten Zechenkomplex.

Einige ausgediente Leichenwagen dienten der Rockgruppe als Transportmittel, denn Imagepflege ist in diesem Geschäft alles und ein „Nachwuchs-Alice-Cooper” fungierte als Parkplatzchef. Oder war das Marilyn Manson?

Macht zweifuffzich. Am besten passend. Kann nich’ wechsln.“

Er sprach diese Worte nicht, nein, es war ein Singsang, dass mich an eine Coverversion von „Sweet dreams” erinnerte. Also doch Manson.

Ohne Aufhebens zahlte ich meinen Obolus und folgte einem Skelett, das mit Leuchtfarbe angepinselt war und den Weg zum Proberaum auswies.

Nachdem ich mehrere dicke Feuerschutztüren hinter mir gelassen hatte, stand ich in einem typischen Proberaum. Dicke Verstärker, Schlagzeug, Tasteninstrumente, Gitarren und unendlich viele Mikrofone bildeten den Rahmen. An den Wänden hangen Decken und Teppiche, der Boden war von unzähligen Bierflaschen und leeren Pizzakartons bedeckt und einige alte Sessel dienten der Truppe als Rast. Einige Akkorde donnerten los und eine

schrille Stimme, nahezu Todesangst pur, leitete den Gesangsteil ein. Spärliches Licht fiel auf die Sängerin, ganz in Rot gekleidet und grell geschminkt.

Die Musiker, so vermutete ich, trugen Wolfsmasken.

Und wenn ich dann - den Wein zur Großmutter bring...“

Diese Worte konnte ich zwischen den Schlägen der Doublebassdrum erkennen.

Ein furioses Gitarrensolo einer um eine Terz tiefer gestimmte Gitarre, unterbrochen von einem Synthesizergeblubber der Spätsiebziger Elektrobands brachte die Sängerin wieder an den Start, die dann losschrie: „Wolf, hole den Golf!“

Mir wurde schwindelig. „Woher?“ stammelte ich und ließ mich in einen verstaubten Ohrensessel fallen, der vermutlich einmal grünmeliert gewesen war. Sofort brachen die Künstler ab und diese betörende Rosy Tosy kam auf mich zugestürzt.

Die Rolle des Reporters war in diesem Augenblick gestorben. So enttarnt hatte ich mich noch nie gefühlt.

Versagensängste, Midlife-crisis und die Folgen von zu viel Bohnensuppe stellten sich auf einmal ein. Ein wirklich übler Zustand.

Wie von Zauberhand kam ein Zwillingspaar auf mich zu und empfahl mir ein Medikament einer Pharmafirma, die besonders günstige, aber effektive Mittel offerierte. Irgendwoher kannte ich die beiden Frauen.

Tatsächlich warf ich mir eine Pille ein und hatte das Gefühl, von allen sieben Plagen der Weltgeschichte erlöst zu sein, bis auf die Geräusche, die auf die Bohnensuppe hinwiesen. Niemanden schien dies zu stören und die Wolfsmasken starrten mich an. Beileibe, sie trugen keine Masken!

Hey Vetter Wolf. Werwölfe wie wir, zumindest Halbwerwölfe, sind hauptsächlich Musiker. Genau wie du kämpfen wir gegen ein dummes Image an, das uns diese Märchenonkel angedichtet haben.“

Die sanfte Berührung der Hand von Rosy Tosy hatte etwas Vertrauliches.

Wir freuen uns, dich begrüßen zu dürfen. Du bist auf dem richtigen Weg, Freund.“

Tut mir leid, aber die Strophe ...“

Ein Ehrenlied über dich, wir waren noch nicht ganz fertig.“

Die sieben Musiker umringten mich und reichten mir ein Kaltgetränk.

Snowey ist in Gefahr, das wissen wir. Gut nur, dass du Zweifel an der Aufrichtigkeit der Schäumenden hast.“

Hey, wer hat das Bier geschüttelt?“

Schaum floss heraus.

Das war ich, mein Name ist Programm. Shakin’ Wolfens, mein Name, früher Rockabilly, jetzt aber down to gothic.“ Er hatte nicht nur ein Wolfsgesicht, sondern auch solche Pfoten.

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