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tägliches literarisches Blogjournal mit Lyrik und Prosa

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Bruce Armat: Der große Mann (3)

Eine Idee, die sich sehr schnell nach ihrer Verkündung allgemeiner Beliebtheit erfreute – zumindest unter den ärmeren Teilen der Bevölkerung, denn für die meisten von Ihnen bedeutete dies eine Verringerung des Bußgeldes und so kann man sich schnell denken, dass dieser Punkt im Wahlprogramm unseres Helden seiner Partei einen enormen Auftrieb bescherte und dies sollte "erst der Anfang sein", wie er unter hysterischem Jubel lauthals proklamierte. Doch kommen wir lieber endlich zur Tragödie unserer Geschichte. Wie nicht anders zu erwarten war, lief die Wahl für die Partei unseres Helden ausgezeichnet. Sie wurde zwar nicht die stärkste, aber das lag wohl nur an dem Umstand, dass die favorisierende Partei zum Schluss des Wahlkampfes plötzlich genau den gleichen erwähnten Punkt in ihr Wahlprogramm mit aufnahm. Das geschah zwar eher aus Kalkül als aus Überzeugung, jedoch führte es dazu, dass der Großteil der Wähler letztlich doch ihr Kreuz an gewohnter Stelle platzierte, mehr aus Trägheit als aus Überlegung, denn so ein plumper Opportunismus musste ja allen ins Auge fallen! Aber seis drum. Unser Held zog also als Abgeordneter in den Bundestag ein, was sehr schnell zu einer Welle der Empörung und Angst unter den alt eingesessenen Kollegen führte. Hatten diese geglaubt, unser Held hätte diese albernen Spielchen wie das 2000-Euro-Gelübde nur aus bloßer Machtgier gemacht, wurden alsbald eines  Besseren belehrt, denn unser Held verzichtete auch jetzt, wo er noch mehr einnahm, nicht auf seine Prinzipien, viel Schlimmer noch. Des Öfteren nahm er sich sogar die Schnittchen aus den Bundestagspausen mit nach Hause, so dass bald in einem hiesigen etablierten Blatt zu lesen war, er hätte seine Schwelle um 100 Euro nach unten korrigiert. Unser Held war in dieser Zeit nicht zu

bremsen. Seine Reden waren nicht reißerisch, auch hielt er sich nicht an die gängige rhetorische Konvention. Nämlich die der 'Parteienzuschreibung', die ja bekanntlich einen Großteil der politischen Arbeit ausmacht. Ihm war es völlig egal, wer den Fehler gemacht hat. Ihm als lösungsorientierten Pragmatiker war es einfach nur wichtig, ihn wieder zu beheben. Er sah sich als kein Vertreter irgendeiner Partei sondern als einer des Volkes und genauso waren seine Reden. Fair, ehrlich und – durch seinen Bauernverstand bedingt – auch allgemein verständlich, was eine große

Überraschung für manche seiner Kollegen darstellte, denn diese hatten gedacht, man müsse unbedingt so reden, dass es keiner versteht, um etwas durchsetzen zu können, doch die Aufrichtigkeit unseres Helden machte es anderen sogar viel schwieriger, ihm zu widersprechen, denn auf einmal verstanden auch die Bürger die Beschlüsse und forderten ihr Recht durch unseren zum Unglück geweihten Helden, denn alsbald stellte sich unter den Kollegen regelrechter Hass gegen ihn ein. Während dieser sich öffentlich für die Diätenkürzung, Vermögenssteuer und weiterer

zahlreicher Umverteilungsmaßnahmen aussprach, wuchs allmählich der Druck auf die Abgeordneten seitens der Wirtschaft. Besonders als der Vorstandschef eines berühmten Autokonzerns, ein leidenschaftlicher Sportwagenfahrer, geblitzt wurde, was die stattliche Summe von 100000 Euro einspielte und gleich ihre Verwendung in manch verwilderter Schule fand, musste unbedingt etwas gegen unseren Helden unternommen werden. So dauerte es nicht lange und viele andeutende Briefe landeten bei unserem Helden. Diese waren immer gleicher Struktur. Mit großem

Lob wurde die Arbeit unseres Helden zuerst gelobt, dann etwas weiter unten wurden 'gewisse Zweifel' bezüglich der Konsequenzen seiner Maßnahmen aufgezeigt und ganz weit unten, in einem winzigen Nebensatz – fast schon nicht erkennbar – nach den Bankdaten unseres Helden gefragt. Doch diesen ließ das alles kalt. Menschen, denen Geld wichtig ist, gehen immer davon aus, dass doch im Grunde genommen jeder reich und wenn schon das nicht wenigstens berühmt sein möchte, daher unterstellten die meisten dieser Natur unserem Helden eine Art Hinterhältigkeit, die so gemein war, dass keiner bislang dahinter gekommen war, was unser Held im Schilde führe, aber natürlich waren sich alle in dem Punkt einig, dass niemand aus bloßer Menschenliebe so handeln würde. Nein, unser Held musste der Übelste von uns allen sein, schlossen sie. Daran gab es keinen Zweifel. Der Köder musste lediglich groß genug sein. Und so erhielt unser Held an einem Donnerstag Nachmittag, zu dieser Zeit pflegte er den regelmäßigen Disput mit sogenannten Interessenvertretern in seinem Büro, von einem unheimlich netten Mann ein sehr großzügiges Angebot, das unser Held verhängnisvollerweise nicht ablehnte. Dieser gut gekleidete Mann stellte

sich als Vertreter 'gewisser Befürworter der neuen Idee' vor und setzte sich unverzüglich auf den Platz, der ihm angewiesen wurde. Nach umständlichem Gerede ganz im Stile der Briefe, die unser Held tagtäglich zu lesen hatte, führte das Gespräch schließlich zu einem Koffer, den der Mann nicht aus der Hand lassend geheimnisvoll auf seinem Schoß bewahrte.

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