Overblog Alle Blogs Top-Blogs Mode, Kunst & Design
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog
MENU

tägliches literarisches Blogjournal mit Lyrik und Prosa

Werbung

Die sieben Kugeln (163)

 

Blacky hatte die Tröge zu kontrollieren. Er war eigentlich ganz überflüssig, denn bei den normalen Kristallen war alles automatisiert. Dort hatte sich in den letzten Monaten auch nichts Neues ergeben. So entwickelten sich die hier eingesetzten Betreuer aus Angst um ihren Job zu eifrigen Schnüfflern. Was Blacky erschnüffelt hatte, hatte er allerdings nicht in seine Protokolle aufgenommen: Das Mädchen, das mich hin und wieder abgeholt hatte, war ganz nach seinem Geschmack. Er hatte sich wohl erst nicht getraut, das auch nur zu denken, dann aber war sie aufgetaucht, als ich keinen Dienst hatte. Seinetwegen, hatte sie ihm gestanden. Ja, er sei hier einer der Dienstältesten, hatte er ihr stolz erklärt. Nein, er könne sie auch nicht ein einziges Mal zu den Kristallen lassen, weil alles aufgezeichnet werde, und dann sei er seinen Job los. Ja, er wisse, wo die Kameras installiert seien, er sei schon dabei gewesen, als sie eingebaut wurden.

Armer Blacky“, meinte Jule, aber ich überzeugte sie. „Es muss sein. Während ich mit meiner Tour unterwegs bin, schleichst du dich zum Schlafzimmer für Kristall drei, wo Blacky ganz sehnsüchtig auf dich wartet. Dreimal kurz und dreimal lang als Klopfzeichen. Die Tür geht einen Spalt auf. Blacky soll sich mit dem Rücken zur Tür stellen und die rechte Hand nach hinten strecken. Er wird die Tür wieder schließen und ein paar Schritte nach vorn machen. Hoffentlich trügt ihn seine Erinnerung nicht. Die Augen der Kameras fallen ja nur dem auf, der weiß, wo sie sind. Keine Angst, Blacky will dir imponieren. Er wird sich total konzentrieren, als hätte er eine Filmrolle zu spielen. Er reißt den rechten Arm hoch, benutzt die Sprayflasche wie einen Revolver. Pfff! Es muss einfach funktionieren. Es sind nur Bruchteile einer Sekunde, die ihn in der verräterischen Pose zeigen können. Klar riskiert er damit seinen Job, aber für dich tut er es gern.“

Jule guckte mich zweifelnd an. „Ja, eben!“ Also versuchte ich weiter, ihr die Szene schmackhaft zu machen. „Das erste Auge fällt aus – genauso wie dann die anderen vier. Du hast Blacky ja erklärt, dass sich das Spray innerhalb von zehn bis fünfzehn Minuten spurlos auflöst. Das stimmt auch. Bis alles untersucht ist, arbeiten die Anlagen wieder einwandfrei. Wenn er es geschafft hat, kommst du herein, nimmst ihn in die Arme, küsst ihn stürmisch – allein das ist ihm bestimmt das Risiko wert – und dann ziehst du ihn hinter dir her. Gemeinsam steht ihr dann ehrfürchtig vor dem riesigen Kristall.

So sieht das Ding also in natura aus. Herrlich! Kann man ihn anfassen, wirst du sagen. Und er antwortet dir vielleicht Klar. Das haben wir früher auch gemacht. Wiege den Kristall spielerisch mit der Hand. Damit hätten wir ausgesorgt!... Bist du wahnsinnig? Leg ihn wieder hin! Blackys Stimme wird sich fast überschlagen vor Schreck. …War ja nur Spaß, kannst du antworten. Ich wollte mich wenigstens einmal im Leben reich fühlen... So, jetzt hattest du dein Gefühl, wird er dich anflehen. Aber jetzt sollten wir wieder verschwinden. Wenn sie dich hier entdecken Ulla, da läuft ein stiller Alarm. Jeden Moment kann hier die Tür aufgehen und dann

Werbung
Zurück zu Home
Diesen Post teilen
Repost0
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post