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tägliches literarisches Blogjournal mit Lyrik und Prosa

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Die sieben Kugeln (111)

Du bist ungerecht“, unterbrach ich sie. „Also ich hatte mehrmals das Gefühl, als wollten die Kristalle mich zu richtigen Lösungen führen. Und selbst die Tropfen sind nicht vorsätzlich aggressiv.“ Ich wollte eigentlich noch mehr sagen, stoppte aber plötzlich. Alle anderen ließen ihrer Phantasie freien Lauf. Selbst Leonie mischte sich in das Gespräch der Erwachsenen. Sie erinnerte daran, dass da etwas mit Hornissen gewesen sei. Die Kugeln könnten doch zufällig erhalten gebliebene Eier unbekannter Insekten sein. „… oder Mutanten?“ Sie klang dabei mächtig stolz, einen Begriff aus der Schule zu benutzen.

Jens lehnte sich etwas zurück. Er beobachtete mich, seit ich mich aus der Diskussion ausgeklinkt hatte, schließlich fragte er mich direkt: „Sag, Marie, was hältst du von der ganzen Sache? Du hast doch eine Vermutung?“

Ich warf ihm einen wütenden Blick zu. Alle drehten sich plötzlich zu mir hin. „Ich weiß nicht. Logisch ist es nicht: Wieso sollte ein Röntgenstern mehrere Keime hierher schicken? Unterschiedliches, aber zusammen passendes Leben? Zu uns, an einen weit entfernten Punkt des Weltalls? Und wie? Die Kugeln sehen ja schon so verdächtig unnatürlich aus. Die hat doch jemand mit Absicht so spiegelblank geschliffen. Warum fragt ihr trotzdem nicht, wer sie geschickt hat? Was für eine fremde Intelligenz soll der Absender sein? Sind die Fragen denn nicht zwangsläufig?“ Mit vorwurfsvollem Gesicht sah ich einen nach dem anderen an. „Weil das unweigerlich unangenehme Antworten hervorgekitzelt hätte. Die Berliner Katastrophe schließt doch von vornherein aus, dass uns dieser Absender dann wohl gesonnen ist. Wollen die Fremden uns vernichten? Terraforming treiben? Aber warum jetzt? Was hängt hier womit zusammen? Ein Röntgenstern. Warum denn? Dort würden sie doch ständig bestrahlt, nicht bloß kurz.“ Ich redete immer erregter weiter. „Ich glaube, die Röntgenbestrahlung spielt schon eine Rolle. Aber eine andere. Vielleicht ein Test. Ob wir hoch genug entwickelt sind für einen Kontakt. Dass wir etwas durchleuchten können, um es zu untersuchen, als ein Indiz dafür. Angenommen, eine fremde Intelligenz suchte ihresgleichen. Sie verschickte etwas in alle Richtungen. Es kam auch auf der Erde an. Millionen Jahre ruht das hier irgendwo. Erst nach einer künstlichen Bestrahlung sendet es ein Signal zurück.“

Das is aber bei uns noch nich passiert“, wendete Jule ein.

Woher willst du das wissen? Wir kennen dieses Signal ja nicht. Oder vielleicht müssen sie ihren Sender erst noch bauen. Aber nehmen wir an, was bisher auf der Erde geschehen ist, wär ein riesiger Unfall. Sollten dann noch mehr solcher Kugeln im All unterwegs sein, dann Gnade der Galaxis! Da drohen viele Unfälle. Immerhin sollten wir ausprobieren, was bei Dauerbestrahlung passiert. Wir haben die Geister geweckt. Zurück können wir nicht. Bringen wir sie zum Reden. Sie werden uns schon sagen, ob sie es gut mit uns meinen. Wie … weiß ich nicht.“

Plötzlich brach mein Redestrom ab. Als hätte mir eine fremde Kraft Worte in den Mund gelegt, und nun wusste sie nicht weiter. Irgendwie verstimmt sagten auch die anderen nichts mehr.

Später wartete ich ab, bis ich Jens unter vier Augen sprechen konnte. „Petra hats leichter. Bei ihr sind umfangreiche Forschungsreihen möglich. Uns fehlen die einfachsten Geräte! Was sollten wir auch mit einem Röntgenapparat? Einmal eine Kugel durchleuchten? Hast du nicht irgendwelche Beziehungen, um das heimlich irgendwo draußen zu machen und zwar für mehrere Stunden? Wir müssen einfach testen, ob dann etwas anderes rauskommt. Vielleicht versuchen die Kugeln auch, uns vor Fehlern zu bewahren, wir haben ihre Gefühlswellen nur bisher immer so egoistisch gedeutet, wie wir denken würden.“

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