tägliches literarisches Blogjournal mit Lyrik und Prosa
Schließlich fragte ich: „Und die besondere Wirkung der Kugeln auf Insekten? Etwas muss die so antörnen, dass sie ihren eigenen Tod in Kauf nehmen, um an die Kristalle zu kommen.“
„Wenn sie unterschiedliche Entwicklungsetappen durchlaufen und vor der Verwandlung von dem einen Stadium ins andere bestimmtes Futter oder so brauchen? Stellt euch vor, die Testuden wären die Larven oder Puppen – wie mögen da erst die Schmetterlinge aussehen! Die Insekten stürzen sich sozusagen ihren Verwandten in den Rachen.“ Jule hatte Flecken im Gesicht vor Aufregung.
„Kommt mal wieder auf den Boden zurück“, brummte Janine, „Krokodile kommen auch aus Eiern und sind, außer dass sie noch mächtig wachsen, fertig in ihrer Entwicklung.“ Janine sah einen nach dem anderen an. „Aber vielleicht … Wenn sie durch Röntgenbestrahlung aktiviert wurden, könnte in ihrer Heimat starke Röntgenstrahlung was Natürliches sein.“
Leo hatte auf ihre Bluse gekleckert. Schnell winkelte sie den Arm an, damit der Fleck nicht zu sehen war. Dann sah sie sich suchend um, ob das jemand bemerkt hatte. Ich zwinkerte ihr zu. Es hatte niemand bemerkt.
Bei Sonja ging gerade die Lehrerin durch: „Schon möglich. Aber wir sollten mit Schlussfolgerungen vorsichtig sein. Was wissen wir zum Beispiel von geheimen militärischen Forschungen? Egal ob aktuellen oder von früher? Könnte nicht einer von denen, die Näswerder in den vergangenen Jahrhunderten heimgesucht haben, an einer Waffe herumexperimentiert haben, ohne fertig zu werden? Die Nazis, später die Sowjets, ja zwischendurch waren da sogar schon mal die Amerikaner als Besatzer, die sich erst vor den Russen und dann vor uns zurückziehen mussten.“ Sie sah beim Sprechen manchmal runter zur Buschtanne oder wie der Baum hieß. Ob sie ahnte, dass man von dort aus gut den Terrassentisch beobachten konnte. Diesmal saß ich ja aber mit dran. Schließlich ruhte Sonjas Blick auf Jens, von dem sie offenbar Zustimmung erwartete.
„Das klingt wie damals, als Hardy in ihnen Kanonenkugeln vom alten Wallenstein entdecken wollte. Genauso gut könnten sie die Steuereinheit für einen hoch entwickelten Computer sein.“ Jens war etwas lauter geworden. Gerade noch rechtzeitig verschluckte er das, was ihm fast über die Lippen gekommen wäre: …und unsere Töchter diese Computer.
„Vielleicht sind sie das auch? Oder sie sind so was wie Sporen fremdartigen Lebens? Denen die Umweltverhältnisse fehlen, um sich normal zu entwickeln? Kann doch alles sein. Es ist ja bloß, weil Sonja so sicher tut.“ Janines Antwort klang richtig trotzig, so als wollte sie nur nicht zugeben, dass sie eigentlich überzeugt worden war.
„Janine, du machst mir Angst. Egal, ob aus dem All oder aus der Nähe: Deine Logik Lässt nur einen Schluss zu und der gefällt mir nicht: Die Sikroben sind zur Vernichtung von Leben gemacht worden.“ Jens hatte sich einen Stuhl herangezogen. Er setzte sich trotzdem nicht darauf.
Janine lächelte. Sie hatte Jens eine Hand auf die Schultern gelegt, und es sah so aus, als bemerkte sie die anderen im Raum nicht mehr. „Das ist aber das einzige, wobei sie sich bewährt haben. Alle anderen Varianten … Ich will ja Sonjas Optimismus nicht zu nahe treten … sind ziemlich daneben. Und vielleicht ist für die da draußen Leben ganz was Anderes?“