tägliches literarisches Blogjournal mit Lyrik und Prosa
Also … Angenommen, es gab diesen Zusammenhang zwischen den Erbanlagen ihrer Kinder und den unbekannten Kräften der Kugeln. Wenn sie die Kugeln erforschte, klärte sich dann nicht auch, was es mit ihren „Klonen“ auf sich hatte? Mochte das Geheimnis noch so schrecklich sein?
Petra fühlte sich besser. Eindeutig: Wenn sie sich nichts einbildete, hatte die Kugel ihrer Überlegung zugestimmt. Also Vorsicht! Vielleicht tat sie gerade das Falsche.
Sollten die Assistenten an den bisherigen Versuchsreihen weiter forschen, genauer, sollte sie ihre Assistenten von den Kugeluntersuchungen ausschließen? Nichts. Das schien die Kugel nicht zu interessierten.
Erst einmal einen groben Analyseplan aufstellen. Ganz allmählich Stufe für Stufe: Mechanische Eigenschaften, chemische Analysen von Oberflächenpartikeln, Testreihen zu möglicher Eigenstrahlung, bei langen Wellenbereichen beginnend, Bioimpulse … Alles zeitlich so abgestimmt, dass sie nicht mit ihren Assistenten zusammenstieße.
Petra fühlte sich ungewöhnlich gut. Die Kugelkräfte schienen ihr Vorgehen zu billigen. Petra erschauerte. Sie wäre für längere Zeit mit der Kugel allein in den Laborräumen, ohne Chance, jemanden zu rufen. Und vielleicht konnte nur ein schmerzhaft dem Einfluss des Unbekannten abgetrotzter Hilferuf die letzte Rettung sein! Egal, das Risiko musste sie eingehen. Und wozu gab es ein komplexes automatisches Alarmsystem in allen Räumen?!
Als erstes die Kugel wiegen. Zum einen fürs Protokoll, zum zweiten war das wie Warmlaufen und nicht zuletzt war ein Rest der kindlichen Verwunderung bei ihr erhalten. Diese Steinkugel vom Anblick überraschte sie immer wieder neu, wenn sie, leicht wie ein luftgefüllter Ball, in der Hand lag.
Von wegen: 7327 Gramm. Noch einmal schaute Petra auf die Anzeige der Digitalwaage. Es blieb dabei. Die Masse bestätigte den äußeren Schein. Ein ganz schöner Brocken. Nur dass der sich spielend leicht anheben ließ. Das hätte ich nicht von dir gedacht. Belustigt merkte Petra, dass sie halblaut mit der Kugel sprach. Sie warf sie in die Luft, fing sie wieder auf … Also siebenhundertzweiunddreißig Komma sieben Gramm, das hätte ich noch geglaubt, obwohl auch das schon zu viel schien, so vom Gefühl her. Petra schüttelte den Kopf, trug das Ergebnis mit Fragezeichen in ihr Protokoll ein. 7327 Gramm.
Dann das Volumen. Die errechnete Dichte ließ keinen vernünftigen Schluss zu. Vor allem, da Petras Gedanken um die Gewissheit kreisten: Etwas stimmte nicht.
Petra fixierte die Kugel und begann mit dem Versuch, mittels eines Spezialmessers Partikel von der Oberfläche zu lösen. Vergeblich. Nicht das kleinste Krümelchen ... Aber für chemische Tests brauchte sie welche. Oder sollte sie die ganze Kugel in Säuren und Basen tauchen. Nachher wusste sie vielleicht, woraus die dann nicht mehr existierende Kugel bestanden hatte? Saublöde Idee. Also Laserschneider ran und vorsichtig eine Kappe abtrennen.
Nach diesem Gedanken ging es Petra so schlecht, dass sie sich erst einmal hinsetzen musste.
Das hätte dir wohl wehgetan, was?
Oh, Mann, wenn mich hier so einer erwischte! Rede ich mit einer Kugel! Petra stand wieder auf. Sie konnte ihren Blick nicht von dem angefangenen Protokoll lösen. Wenn nun die Waage eine Macke hatte? Am liebsten hätte Petra einfach nachträglich ein Komma gesetzt.