tägliches literarisches Blogjournal mit Lyrik und Prosa
3.
Es ist dunkel, sehr dunkel und Mohammed stolpert über einen Hund, fällt der Länge nach hin und wird unter dem umgedrehten Boot begraben. Khalid verliert ebenfalls die Balance und lässt das hintere Ende des Bootes fallen. Mit lauten Krach schlägt es auf dem Pflaster auf und der Hund läuft schnell davon.
Bist du verletzt, Mohammed?
Ein Moment Stille, dann poltert es ein wenig.
Nein, alles in Ordnung.
Mann, pass doch auf. Bist viel zu laut.
Das war doch keine Absicht!
Sie sind auf halbem Weg zum Strand, Onkel Jussufs Boot ist schwer und es ist schwierig, es nur mit dem Kopf und einer Hand tragen zu können, aber sie brauchen die andere Hand. Für die Ruder. Sie dürfen nicht entdeckt werden, es ist gefährlich hier draußen, mitten in der Nacht. In der Ferne hört man Sirenen und Hubschrauber. Vor vierundzwanzig Stunden hatte ein Kampfhubschrauber das Hamasgebäude neben der Trainingsbaracke beschossen und die Baracke wurde mit zerstört. Die Ergometer sind alle drei kaputt. Khalid und Mohammed hatten am folgenden Tag eine Stunde erstarrt vor der Ruine gestanden. Dann hatte er einen Stein aufgehoben, ihn auf die Trümmer des Hamasgebäudes geworfen und war davon gerannt. Mohammed versuchte ihm zu folgen, aber Khalid war zu schnell für ihn. Mohammed suchte eine Weile nach Khalid, dann dachte er an den Strand. Dort fand er ihn und sie saßen lange Zeit schweigend nebeneinander. Es war Mohammed der auf dem Heimweg sagte:
..Schleich dich heute Nacht raus, wir treffen uns an der Baracke.
Sie vereinbarten eine Zeit und Khalid schlich sich aus dem Haus Omars und seiner Schwester. Es fielen keine Worte, als sie sich trafen. Sie sahen sich nur kurz an, marschierten los und holten das Boot.
Khalid und Mohammed haben sich aufgerappelt, ihre Last geschultert und sind wieder unterwegs. Man kann das Meer jetzt schon riechen, aber vielleicht ist das auch nur das Boot, dass nach all den Jahren in dem Schuppen noch immer voll des Meeres ist. Khalid und Mohammed sind stark, sie haben lange trainiert und sie wissen, dass sie sehr schnell und weit rudern können. Gleich, nur noch ein bisschen, dann tauchen die Ruder ins Wasser ein und das Boot bahnt sich seinen Weg durch die Wellen, in Richtung Europa, Amerika, vielleicht Afrika, oder einfach nur zum Horizont.