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tägliches literarisches Blogjournal mit Lyrik und Prosa

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DREI - Nummer 13

Kleines Mädchen

In mir verborgen,
gibt es ein kleines
Mädchen, dass mit
den Füßen aufstampft,
weint und seine
Empörung herausschreit.
Ich hätte früher
aufhören müssen ein
nettes Mädchen zu sein,
dann ginge es mir
heute besser, als Frau.

Ursula Gressmann

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Björn Lindt: Sie sucht ihn

auf Lyrikbox


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Utopischer Fortsetzungsroman
"Die sieben Kugeln" von Slov ant Gali (18)

Die Hellersdorfer Blockade

Der Block Hellersdorfer Straße 93 – 111 war besonders verkehrsgünstig gelegen. So stand es einschlägig verständlich in Immobilienanzeigen, und wer hierher kam, sah sofort warum: Hier kreuzten sich zwei Hauptstraßen des östlichen Berlins. Schräg gegenüber lag der U-Bahnhof Kaulsdorf-Nord...

Die Wohnungen waren entsprechend heruntergewirtschaftet. Wer wollte denn an so einer Ecke hausen? In die deshalb sehr preiswerten Unterkünfte waren neben Ausländern vor allem Studenten gezogen. Die wohlhabenden aus der City trieben ihre Scherze mit den Hellis. Sie ließen die Feuerwehr wegen angeblich auszupumpender Keller oder brennender Dachstuben ausrücken. Das entwickelte sich zu einem speziellen Studentensport, seit den Tätern intensiv nachgestellt wurde und die Anrufer sich deshalb besonders gut verbergen mussten.

Notrufmissbrauch war aber nicht die Aufgabe des Dienst habenden Brandobermeisters in der Feuerwehrleitstelle Charlottenburg. Er hatte jede Meldung ernst zu nehmen. Das fiel ihm allerdings schwer, als ihm aus seiner Notleitung eine schrille weibliche Stimme entgegentönte: „Kommen Sie schnell! Es ist furchtbar. Es fließt … Durch unsere Gänge fließt es, schrecklich, nein! Wir werden verschäumt, verglast, zu Brei gemacht. Die dritte Etage ist weg. …“

Er hatte die offenbar verwirrte Anruferin ruhig gefragt, wo denn die schmelzende Etage sei. Als die Stimme antwortete „… Hellersdorfer Straße 95!“, sendete er die Daten der Rufrückverfolgung an die dafür gebildete Sonderkommission der Polizei. Aber die Stimme gab nicht auf: „Helfen Sie schnell! Wir sind in der vierten Etage und kommen nicht raus. Die dritte ist weggeschäumt und gleich bricht das Haus zusammen …“

Mürrisch antwortete er: „Machen Sie sich keine Sorgen. Ich schicke Hilfe.“

Eine Wette? Laut Display kam der Anruf tatsächlich aus der Hellersdorfer 95. Das wäre neu. Na, dachte der Diensthabende, die Feuerwache in der Neuen Grottkauer Straße ist ja nur einen halben Kilometer von dem Katastrophenherd entfernt. Sollen die Jungs auch mal ihren Spaß haben.  

„Jungs, mal wieder Alarm! Diesmal wird in unserer 95 gerade eine Etage verschäumt. Könnt ihr das übernehmen?“

Die eine dort stationierte Staffel rückte aus. Im Chaosblock sollte also etwas mit Schaum gelöscht werden… uns sie sollten übertreiben. Als die Männer aber den Ort des vermeintlich blinden Alarms erreichten, stoppten sie verwundert.

Der Block hatte wie alle hier sechs Etagen. Normalerweise. Jetzt aber schien die dritte etwas flacher als die anderen, so als wäre das Mauerwerk in sich zusammengesackt. Dort, wo die Fensterfront hätte sein sollen, zeichnete sich eine dicke, dunkelgraue Linie ab. In den Fenstern darüber – die gab es noch – hingen die Oberkörper schreiender Menschen. Gerade in dem Augenblick, in dem das Löschfahrzeug hielt, stürzten Teile des Gebäudekomplexes in sich zusammen. Einige von denen, die gerade noch um Hilfe gerufen hatten, flogen in hohem Bogen nach draußen, ohne aufgespannte Tücher abzuwarten. Andere waren noch einen Moment zu sehen, aber sie schrieen nicht mehr; wie zu Puppen erstarrt rutschten sie in ihre Zimmer zurück.

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