tägliches literarisches Blogjournal mit Lyrik und Prosa
… so sähen die aus wie ich
an einem abend verkümmert
am nächsten königlich
am morgen frisch gewaschen
gelegentlich ein gnom
vollkommen unvollkommen
dann wieder wie ein dom
pathetisch erhabene worte
mit sich selbst verspottendem sinn
dazwischen ein wenig mimose
die ich gelegentlich bin
ein eingebildeter dichter
der eingebildet nicht ist
doch im großen wie im kleinen
wahrheit und wärme vermisst.
Ein bisschen gutes alleine
hat mir noch niemals gereicht,
warum nur bin ich das aber
das hofft und misst und vergleicht
das mit heruntergelassenen hosen
und narbengeschmückter haut
im allerdunkelsten winkel
sich strahlende zukünfte baut
lebenserhaltende träume
bei nachtwolkenfinsterem licht
im regen stehend erklär ich
gedichte die schreibe ich nicht.
Fast zwanzig Jahre vergingen, in denen weder die inzwischen Erwachsenen mit ihren Kugeln noch die Kugeln mit den neuen Erwachsenen etwas anstellten. Richtiger: Die nun Erwachsenen bemerkten nicht, was die Kugeln mit ihnen anstellten. Das lag vor allem daran, dass sie einander nicht trafen. Also weder die Kugeln, noch die Erwachsenen.
Aus Jens, der die Kinder der Schwurgemeinschaft in so viele Kämpfe geführt hatte, war Kommissar Marder geworden. Mit seiner Halbinsel hatte er nichts mehr zu tun. Möglichst weg von Mecklenburg hatte er gewollt. Allzu weit war er allerdings nicht gekommen – nur bis Sternekop, einem Dorf in der Nähe von Berlin, und sein Häuschen erinnerte verdächtig an eine der heimatlichen Katen.
Eigentlich war er total glücklich. Schließlich war er schon früher dem Traum nachgejagt, ein großer Detektiv zu werden, knifflige Fälle zu lösen und Verbrecher zu überführen. Das war nun sein Beruf geworden. Doch wie stand es um ihn? Für die anderen Kriminalbeamten in Berlin bot er ausreichend Stoff zum Spott. Wenn man etwas an ihm „außergewöhnlich“ hätte nennen können, dann höchstens seine Behäbigkeit. Er hatte geheiratet und war kurz darauf Vater von Zwillingen geworden. Seitdem erinnerte an ihm nichts mehr daran, dass er einmal eine wehrhafte Kindergruppe angeführt hatte. Nein, niemand stand im Kreis der Kollegen dermaßen „unterm Pantoffel“ wie Jens Marder.
Den ganzen Freitag hatte er dem Revier schon sein die Welt umwälzendes Gesprächsthema aufgezwungen: die angesagte Gartenparty zum Geburtstag von Sina und Leonie. Den ganzen Montagvormittag berichtete er über deren Erfolg, während Janine, seine Frau, mit Aufräumen beschäftigt war.
Die beiden Mädchen waren gerade neun geworden und hatten anfangs sogar beim Hausputz geholfen. Erst in der Mittagshitze zog es sie über einen Trampelpfad hinunter zum Quadder. Der dank der Geräusche beim Näherkommen mit einem treffenden Namen versehene, von allen Seiten zugewachsene Teich, lud zum Baden ein. Hinter dem Garten der Marders begann ein offenes Uferstück, und es gab kaum einen sichereren Platz, an dem sich die Mädchen austoben konnten. Irgendwann unterbrach Janine ihre Putzerei. Ihr war eingefallen, dass sie unbedingt noch einiges im Dorf zu klären hatte. So bemerkte sie nicht, dass die Mädchen bald wieder auf den Hof zurückkamen. Sie ahnte es nicht einmal. Die beiden beschäftigten sich also völlig unbeobachtet.