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tägliches literarisches Blogjournal mit Lyrik und Prosa

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Bruce Armat: Der große Mann (5)

Dabei war manch einer von ihnen sogar davon überzeugt, dass nur ein Mord dieses Problem lösen könnte. Zwar waren alle im Prinzip dafür, allerdings entschieden sich die meisten von ihnen denn doch aufgrund der Gefahr des Aufstiegs unseres Helden zu einem Märtyrer - wenn auch ungern - gegen diese 'Intervention'. Statt dessen fand sich eine viel subtilere Lösung, die das Bollwerk der Machtstruktur zu eifriger Bewegung nötigte. Den ersten Schritt bildete dabei ein kurzer Zeitungsbericht, indem sich der anonyme Spender endlich zeigte. Dieser, so stellte sich heraus, war der Chef eines großen Textilkonzerns, dessen Name in aller Munde war. In dem Artikel wurde natürlich die Motivation des Spenders ausführlich im hellen Glanze dargestellt, doch dieser Aspekt war natürlich nicht der Entscheidende.

Den wirklich entscheidenden, um nicht zu sagen schockierenden, Punkt stellte der Hinweis dar, dass es sich bei der Spende um die Summe von exakt 3 Millionen Euro handelte und nicht um 2 Millionen. Dies implizierte natürlich die Veruntreuung von einer ganzen Million und urplötzlich geriet unser Held ins Fadenkreuz. Wie nur sollte er beweisen, dass er keine Million Euro veruntreut habe? Alsbald entschied er sich für den Weg nach vorn. Schnell wendete er sich an die Presse und verkündete einen Finderlohn von genau einer Million, im Falle, dass es jemandem gelänge ihm die

Veruntreuung nachzuweisen. Als Vorgeschmack auf die Schwierigkeit dieser Aufgabe veröffentlichte er zudem seine Kontoauszüge vom gesamten letzten Jahr und zusätzlich ein Gutachten des Finanzamtes, das bestätigte, dass keinerlei andere offiziellen Besitztümer dort bekannt wären, doch dies alles half natürlich nichts. Der Samen des Misstrauens war gesät und in den Augen seiner Feinde war bald Erntezeit. Denn diese schliefen nicht und so fand sich nach einigen Tagen überraschenderweise tatsächlich eine ausländische Bank, die bestätigen konnte, dass unser Held während einer Auslandsreise, die, so wurde ausführlich in den Medien berichtet, tatsächlich statt gefunden hatte, einen Betrag von exakt einer Million Euro in der besagten Bank eingezahlt habe. Natürlich war nicht nur unser Held von dieser hinterhältigen Mutmaßung schockiert. Alle waren es. Zwar erstattete er gleich darauf Anzeige und forderte eine Offenlegung der Geldeingänge der Bank, doch diese zeigten tatsächlich einen Geldeingang an besagtem Datum.

Zwar war interessanterweise auch ein Geldeingang beim Chef der Bank von ca. 200000 Euro ein paar Wochen darauf zu verzeichnen (ein sehr plumper Fehler), worauf unser Held auch in der Öffentlichkeit vehement hinwies, doch die Meinung der Öffentlichkeit schien auf einmal völlig gekippt zu sein, was nicht zuletzt auch daran lag, dass die Medien den Bürgern mysteriöserweise den Umstand der 200000 Euro regelrecht verschwiegen. Statt dessen sendeten sie hetzerische Berichte über 'das Doppelleben' unseres Helden. Wie aus dem Nichts erschien eine Vielzahl von Menschen, denen unser Held angeblich geschadet hatte. Selbst einige Frauen meldeten sich zu Wort und unterstellten unserem schockierten Opfer sexuelle Belästigung, Alkoholismus bis hin zu körperlicher Züchtigung. Zwar waren all diese Aussagen aufgrund fehlender Beweise absolut nicht haltbar, doch jede neue Untat, ob bewiesen oder nicht, sorgte so rasant für den Abstieg der öffentlichen Meinung über unseren ehemaligen Helden, so dass diesem letztlich nur noch der Ausweg des Rücktritts blieb. Das Machtgefüge hatte wieder gesiegt und schmerzlich blieb unserem

gebeutelten Helden nur eine Erkenntnis: Der Weg zur menschlichen Vervollkommnung wird nur aus dem Verständnis der Mechanismen und Kräfte, die uns bislang daran hindern, resultieren können.

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