tägliches literarisches Blogjournal mit Lyrik und Prosa
Als Profi, der ich nun einmal bin, legte ich nicht alle Karten auf den Tisch.
Wir diskutieren also stundenlang und tranken die eine und andere Tasse Kaffee. Dann geschah das Unfassbare. Die Dame gab ihre reservierte, fast angespannte Haltung auf und schlug das rechte über das linke Bein.
Eigentlich ist es nicht meine Art, anderen Frauen auf die Fußknöchel zu starren, insbesondere, da ich mit Rosy Tosy mehr als glücklich war, aber irgendeinem Impuls folgend schaute ich hin.
Mich traf der Schlag. Nein, das war kein Deja Vu! Dieses Tattoo! Der Eispickel!
Ich erwachte in einem Krankenbett. Was mich nur wunderte, war die Tatsache, dass ich kein Telefon zur Verfügung hatte und mich nicht frei bewegen konnte, denn ich war mit Lederriemen festgeschnürt.
Mittlerweile ist wohl ein halbes Jahr vergangen und in meiner Jacke, deren Ärmel auf den Rücken zusammen gebunden werden, darf ich abends für zwei Stunden in den Gemeinschaftsraum, um Fernzusehen.
Mein ständiger Begleiter, es könnte sich von der Statur nach um einen Bruder von Ploppel handeln, hört sich mit gepflegtem Desinteresse meine Geschichte an.
So auch an diesem Sonntagabend.
„Ich schwöre Ihnen, diese Frau war in meinem Büro.“
„Ja, Herr Bulder und die Amerikaner waren nicht auf dem Mond, obwohl sie es doch waren.“
„Haben Sie denn meine Sekretärin befragt?“
„Herr Bulder, die Adresse, die Sie uns genannt haben, stimmt zwar, aber dort ist der Sitz des Finanzamtes.“
„Das ist es doch eine Verschwörung.“
„Ja, ja.“
Ich wollte protestieren, aber Hans-Dieter schaute auf seine Armbanduhr.
Hans-Dieter, mein persönlicher Betreuer.
„Es wird Zeit. So, wir gehen wieder ins Bettchen.“
Es hatte wohl keinen Zweck. Noch einmal schaute ich zum Fernseher. Ich glaubte, meinen Augen nicht trauen zu können. Da war sie!
„Da, schauen Sie, Hans-Dieter, das ist die Frau, die mich besucht hat. Die mit dem Tattoo!“
Gelangweilt blickte er Richtung Mattscheibe.
„Oh, Bulder, du bist wirklich ein Idiot. Das ist die Kanzlerin ‚Unmakel‘. So, für heute reicht es. Ab in die Falle.“
Ich habe jedes Zeitgefühl verloren, nur, wenn Sie mir helfen wollen, ich habe alles noch einmal auf einer Rolle Klopapier aufgeschrieben. Schauen Sie im Handbuch des BND nach, Seite 705 ff. Dort steht, wie und wo Sie geheime Nachrichten finden von Agenten, die weggesperrt sind. Geblümtes Papier. Ja? Sie haben es gefunden?