tägliches literarisches Blogjournal mit Lyrik und Prosa
Herr Muxelgruber war eigentlich in Bayern geboren und aufgewachsen, hatte dann aber seine Heimat verlassen, um in der Schweiz als Makler ganz groß ins Geschäft einzusteigen. Zudem war er, wenn man so will, der Wasserträger für viele Prominente, die es scheuten, selbst über die Grenze zu fahren, um ihr Geld zu waschen oder auf Nummernkonten einzuzahlen. Wie dem auch sei, seit fast zwei Jahren hatte Axel Muxelgruber ein Verdauungsproblem. Ihm war eine Immobilie direkt neben der „Zentralen Eid & Schweigebank” im wahrsten Sinne auf den Magen geschlagen. Ein viel zu dicker Brocken, den er zu schlucken hatte und mit jedem Tag, den er das Haus nicht vermitteln konnte, schmolz die fette Provision dahin. So sah es der Vertrag vor. Je länger die Mieteinnahmen ausblieben, desto schmalbrüstiger der Scheck.
Seine Ehegattin machte sich ernsthaft Sorgen, denn der sonst so agile Axel ließ die Tennisstunden sausen, war nur noch selten im Golfclub und fand für den Rennsport gar keine Zeit mehr. Vielmehr hockte er zu Hause, was ihrem Sexualleben nicht gut tat. Wann, bitte schön, sollte denn ihr junger Liebhaber zu einem Schäferstündchen kommen, wenn der alte Geldsack voller Selbstzweifel die Wohnung blockierte?
Umso mehr war ihr die Wandlung ihres Ehegatten aufgefallen, als er an diesem Abend pfeifend und singend nach Hause kam.
„Axel, mein Rattenschwänzchen, was hast du denn heute so erlebt?“
„Ich kriege diesen Schweinestall neben der Bank endlich vermietet. Zwar sind das Kleinwüchsige, aber du wirst es nicht glauben. Sie haben sofort bar gezahlt, ohne mit der Wimper zu zücken.“
„Sagst du deinem Eulenschnäbelchen denn auch, wie viel das war?“
„Monatlich 30.000 Schweizer Fränkli, dazu drei Monatsmieten Kaution und sie haben mir noch einmal die gleiche Summe zukommen lassen, wenn sie die nächsten Tage nicht gestört werden.“
„Was meint denn mein Rattenschwänzchen, was sie so vorhaben?“
„Sie gehören einer Zirkustruppe an und wollen ungestört üben. Für so kleine Leute sind die hohen Decken ja ideal.“
„Was machst du denn morgen, mein Sonnenscheindackel?“
„Zuerst Tennis, dann Golf, danach Sauna und dann Brumm Brumm mit dem neuen Proschke.“
„Oh, dann sehe ich dich erst morgen Abend?“
„Ich werde dir ein schönes Geschenk mitbringen.“
Er gab seiner Frau einen Kuss auf die Wange und zählte noch einmal die Scheine nach. Das Knistern hatte für ihn mehr Erotik als Frau Muxelgruber.
Und an die kleinen Leute dachte er schon lange nicht mehr. Nicht einmal, als im Radio ein Lied von Randy Newman gespielt wurde, dessen Komponist niemand geringerer war als Jack, the Rapper: „Short people”.
Ich verbrachte den anderen Tag damit, den Strumpf so in meine Unterkleidung zu packen, dass es anatomisch nicht zu übertrieben aussah. Zugleich übte ich den schnellen Griff hinein, um den Wundersocken heraus zu ziehen.
Dreißig bis vierzig Mal. Trotz aller Bitten weigerte sich Climbimbus, mir sein Bein zur Verfügung zu stellen. Natürlich war er nicht erste Wahl, aber Marianne hatte mich im Büro erwischt, wie ich meine ersten Lektionen ausprobierte und hatte sich daraufhin frei genommen.
Mir war bei der ganzen Geschichte nicht wohl. So hautengen Feindkontakt hatte ich noch nie gehabt.
Was könnte wohl alles daneben gehen? Wenn sie mich wirklich überwältigen wollte, also mit ihren zwar hergezauberten, aber für mich deutlich sichtbaren weiblichen Reizen, und sie würde, so schamlos schätzte ich sie ein, mir die Unterhose herunterreißen, was dann?
Colombo, mein Mann der Praxis, schlug mir vor, ich sollte nur mit dem Trenchcoat bekleidet den Termin wahrnehmen, dann könnte ich ja den Bannstrumpf in die Manteltasche deponieren.
Ich nahm noch einmal Kontakt zu Mannox auf. „Flehe sie an, du möchtest das Tattoo sehen. Nur das Tattoo. Ihr Mann ist auch vollkommen hingerissen davon.“
„Also das ist ja einfach.“ Ich machte mir selbst Mut.
„Wir sind in deiner Nähe. Sobald der Strumpf über ihrem Fuß ist, kommen wir rein.“
„Was könnt ihr sonst noch auf den Bildschirm kriegen?“
Ich erhielt eine ausweichende Antwort.
„Also, was noch?“
Die Antwort ließ mich erblassen, so dass ich hierzu keine weiteren Angaben mache.
„Das mit Marianne wird schon wieder. Rosy Tosy gefällt dir auch sehr gut, nicht wahr?“ Climbimbus war ein Mann von Welt.
„Merkt man mir das an, das ich mich ein wenig in sie verliebt habe?“
Climbimbus schüttelte energisch den Kopf: „Nein. Ein wenig auf keinen Fall, aber viel! Warum, meinst du, war Marianne so schockiert. Sie dachte, du hast dich mit Rosy verabredet und wolltest als Mogelpaket gehen. Du, der Frauenversteher. Und dann sieht sie dich da, wie du deine Männlichkeit ausstopfst, ganz so wie ‚Mick Nagger‘. Das war ein Schock, aber Mrs. Climbimbus wird sie aufklären und morgen bis du der Held von Marianne.“
Er schlug mir auf die Schultern. Verdammt netter Kerl, dieser Ami.
Nicht, dass ich nervös war, aber ich schaute ständig auf die Uhr. Für einen Agenten ist es wichtig, die Zeit im Auge zu haben, um die Planungen haargenau durchzuführen. Noch einmal schaute ich auf meine Notizen. Aha, um 16 Uhr wollte ich also den berühmten Bansheestrumpf einführen, um dann noch gut eine Stunde bei Kaffee und Berliner Ballen zu verweilen. Unbedingt Hände waschen, denn auf keinen Fall durfte der Strumpf an meinen
Fingern kleben bleiben.
Von meiner Freundin, die den Antikladen betrieb, hatte ich mir eine Schaufensterpuppe
geliehen. Sie stellte keine Fragen, aber in ihren Augen las ich genug. Da stand geschrieben: Armer Wolf. Lonesome wolf. Arme Sau. So ungefähr. Egal, wenn die Welt erst einmal gerettet war, würde ich ihr die Puppe unbeschadet zurück bringen. Wenn.
Vielleicht war ich doch nicht der Richtige für diesen Job. Dieser Ex-Bulle, der mit den Cowboystiefeln, Tangaslip und Kampfjacke war eigentlich eher ein Frauentyp. So einer von der Sorte, harte Schale, harter Kern.
Vielleicht doch nicht.
Und dieser Ploppel, ein Kraftpaket.
Nein.
Und nochmals nein. Nach all den Eskapaden in meinem Leben wollte ich mich endlich beweisen. Aber musste das so kurzfristig sein?