tägliches literarisches Blogjournal mit Lyrik und Prosa
Bin bei Dir, wenn Du des Nachts im Schlaf Dich wähnst.
Dein Laken liegt zerknittert zwischen Deinen Beinen,
unter Deiner Brust und aus dem flachen toten Leinen
formt sich nach und nach mein Körper –
er lässt sich unter Dir begraben,
nicht leblos und nicht kalt.
Bin bei Dir, wenn Du des Morgens den Wecker begähnst,
das Ziffernblatt verschwimmt und mein Gesicht zersprengt
von innen das Glas,
ich küss Dich wach: ganz leise und sacht.
Bin bei Dir, wenn Du unter der Dusche stehst –
es prasseln meine Tränen unaufhörlich –
weitgefächert ist der Strahl, um jeden Punkt
Deiner Haut kitzelnd zu treffen,
dass die Seife in der Hand
gleich meiner Zunge über Deinen Körper unbeschwert,
unaufhörlich gleiten kann.
Bin bei Dir, wenn täglich Du Deine Wege gehst,
das Pflaster unter Deinen Füßen sind die Brücken,
die ich gebaut und lange vor Dir ging
um ihre Fertigkeit zu prüfen.
Bin bei Dir egal, wohin Dein Weg Dich führt,
egal, wie oft die Kirchturmuhr die Stunden in die Ferne schlägt.
Bin Deine Fantasie und Deine Wirklichkeit,
Dein Leben und sein Sinn,
bin bei Dir und werd es sein,
solang ich eben bin.
(aus "Mit Blindenhund durchs Liebesland")