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tägliches literarisches Blogjournal mit Lyrik und Prosa

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Ricardo Riedlinger: Drachenhaut zweifach

 


Zu dünn schien meine Haut,

zu transparent zu sein.

Mit jedem Pulsschlag diese Angst,

sie könnte mir zerreißen.


Ich tötete den Drachen meiner Seele,

schlug ihm die Köpfe einzeln ab,

mich in dem warmen, zähen Blut

ganzkörperlich zu baden.

Kein Lindenblatt fiel irgendwohin

und kein Verrat in nächster Nähe.

Also entstieg ich zweihäutig,

der äußeren Versuchung und inneren Begehr,

dem Herzbruch widerstehend.


Welch Trug, welch Narr war ich mir,

vergaß`ich doch, dass alle Sinne noch

nur eingeschlossen in ein Panzerbett

mir sensibel blieben.


So reichte nur ein Blick in Deine Augen

und wie verwittertes Gestein fiel spröde meine Drachenhaut,

durchsiebt zuvor mit Pfeil auf Pfeil,

der mir durch Dein Lächeln entgegen flog.

Du musst die Medusa der Neuzeit sein

und bringst mich zurück dahin,

wo ich schon oft gewesen bin


und meine Haut scheint wieder dünn

und transparent zu sein.

(aus "Mit Blindenhund durchs Liebesland")

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