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tägliches literarisches Blogjournal mit Lyrik und Prosa

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J.B. Deluder: Die Kronkorkenverschwörung (40)

 

Na sicher. Gesundheit heißt auch, wir leben länger, um länger zu arbeiten. Schaue dir einmal die Kommissare im Fernsehen an, alle weit über die Fünfzig, ganz selten ein junger Hüpfer.“

Genau. Da geht keiner vor Siebzig in Pension.“

Und dann diese geplante neue Familienpolitik.“

Reine Geldmacherei. Der Staat zwackt hier und da etwas ab, aber im Grunde werden die Umsätze für Windeln, Brei und Kinderwagen steigen. Gehe einmal zu deiner Oma und sage, die soll dir Geld für ein neues Auto geben. Da bleibt die Schatulle zu. Ist aber ein Enkel unterwegs, wird gekauft ...“

... dass den Verkäufern schwindelig wird.“

Und der ‚Drink-King‘ wird sich eine weitere goldene Nase verdienen, denn wer kann es sich bei all den Umweltgiften denn noch erlauben, seine Kinder zu stillen?“

Genau, dafür gibt es Pulver und Gläschenkost.“

Die Freizeitparks für all die Stoppelhopser werden in drei bis vier Jahren überquellen.“

Oder es werden neue gebaut. Und dort gibt es dann Essen und Trinken, alles aus einer Hand.“

Dieter Kohlen wird Schlaflieder komponieren.“

Möglicherweise werden die Rohstoffe knapp, denn jedes Baby braucht mindestens drei Schnuller pro Monat.“

Wovon die arg gebeutelten Zahnärzte profitieren.“

Denn gesüßter Tee macht Zahnweh.“

Und erst einmal die Hersteller von Zahnspangen.“

Was Climbimbus und ich gerade betrieben, war brain-storming im Hurricane-Format. Nicht, dass ich behaupten will, just in diesem Augenblick hätten wir alles durchschaut, aber zumindest vieles.

Schon längst hatten wir die alten Denkschemata von nationaler Engstirnigkeit aufgegeben und befanden uns auf dem Kurs zu einem aufgeklärten Patriotismus im globalen Gefilde. Im Grunde sollte jeder Bürger wissen, dass wir es den Chinesen zeigen können. Nicht mit Urlaub rumprotzen, mit der Arbeitszeitverkürzung, sondern die Ärmel aufkrempeln und produzieren, bis die Schwarte kracht.

Wenn wir nur alle fleißig genug wären und endlich begreifen würden, was Unternehmer und Politiker von uns wollten, nein, was sie uns geben wollten, dann wären wir bald raus aus dem Schlamassel.

Diese Miesmacherei, dieses Lamentieren und Klagen führte doch nur zu einer Lähmung der deutschen Tugenden. Gehorsamkeit, Fleiß und Ordnung gehörten wieder auf die Tagesordnung. „Helmut Grohl”, der Mann, der wirtschaftliche und ökonomische Gründe für unterschiedlich hielt, hatte mit seiner Vision von den blühenden Landschaften recht gehabt. Nur wollten die Menschen, seine Wähler und Nichtwähler, ihn nicht verstehen. Der Prophet,

so lehrt die Geschichte, hat keinen Wert im eigenen Land. Nicht zuletzt die Massenmedien und ihre Berichte über Korruption und Bestechlichkeit sorgten doch erst für die tiefe Depression im Lande. Wann ist Korruption denn Korruption? Erst dann, wenn jemand darüber berichtet.

Der größte Feind des gemeinwirtschaftlichen Fortschritts sind die Neidhammel.

Es kann doch nicht angehen, dass einer, der mit seinem Auto immer nur Runden dreht, und zwar so schnell, dass einem schwindelig wird, mehr Geld verdient als all diese Topmanager, die durch massiven Personalabbau, Nutzung steuerlicher Gestaltungsmöglichkeiten und Bilanzkosmetik dafür sorgen, dass es überhaupt noch Arbeitsplätze in Deutschland gibt.

Aus diesem Grunde hatten sich die „Dunklen” eingemischt. Sie wollten ihr System der unbemerkten Ausbeutung und Herrschaft hier ausüben, in der Menschenwelt. Wenn der vierte Kronkorken in ihre Hände fallen würde, wäre dies das Ende von sozialer Ausgewogenheit und Chancengleichheit.

Übrig bliebe nur noch eine willenlose Masse, betäubt von den Produkten derSchwarzen Alchemie”, die in der „Anderen Welt” die aufrechten Zwerge und Elfen in die Sklaverei führen würden. Eine Horde in Schlips und Kragen, eine Heuschreckenplage, die das letzte Grün von dem sozialdemokratischen Feigenblatt fressen würde.

Nur, wer glaubt schon an solche Wesen? Im Zeitalter von Internet und all dem sind wir vermeintlich so aufgeklärt.

Kennen Sie das Gefühl, einen gesamten Planeten auf Ihren Schultern zu tragen? Was würde noch von mir verlangt, um die Invasion der „Unheiligen Allianz”, der „Schwarzen Horde”, aufzuhalten?

Je mehr ich darüber sinnierte, umso großer wurde meine Sorge, ob ich all dem gewachsen war. Warum ich?

Dann aber fühlte ich das Verlangen, es allen zu beweisen. Den Zweiflern und Kritikern, denen, die mich verspottet hatten. Und wäre es nur dieses eine Mal, ihnen zu sagen: Ich habe euer System durchschaut.

Wir tranken die Nacht durch und ich verbrachte den anderen Morgen mit der Suche nach Mitteln gegen Übelkeit und Kopfweh.

Climbimbus erging es nicht anders und in den tieftraurigen Falten seines Trenchcoats erkannte ich das wahre Gesicht des Lebens.

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