tägliches literarisches Blogjournal mit Lyrik und Prosa
14. Die Dreiundzwanzig rückt näher
„Ich habe dazu gelernt.“ Stolz erhob ich mich. „Mir ist schon klar, dass die Astronauten der Vereinigten Staaten auf dem Mond waren, nun will ich durch die deduktive Beweisführung noch aufzeigen, warum sie dennoch diese konspirativen Theorien ausgelöst haben.“
Tosender Beifall und der Blick meiner Eltern, die stolz auf ihren Sohn waren, hatten mich mehr als motiviert.
„Fakt Nummer Eins. Die wehende US-Flagge im Weltall sollte die Ungläubigen davon überzeugen, dass sie im Recht waren.“
Beifälliges Nicken.
„Ähnlich wie in Ben Hur. Aufgrund der Tatsache, dass Charlton Heston im Streitwagen im antiken Rom eine Armbanduhr trug, konnte man ableiten, dass das Christentum auch nur eine Erfindung war. Oder so ...“
„Das war schon warm, es wird immer wärmer!“
„Ja, er wird es schaffen.“
Ermutigende Zurufe aller Anwesenden waren zugleich Adrenalin für meinen Geist.
„Im Grunde wollten die Nordamerikaner etwas verbergen. Etwas, dass sie auf dem Mond gefunden hatten. Also versuchten sie, mit Hilfe von Hollywood, das dem NSA und der CIA gehört, die Verschwörungstheorie zu untermauern.
Sie drehten ‚Unternehmen Capricorn’, der Schlüssel zum großen Betrug.“
Beifälliges Murmeln. Ich war auf dem richtigen Weg.
„Nun die Frage, warum. Nein, wen wollten sie täuschen? Die Sowjets waren ihr Ziel. Klar, der KGB besorgte sich Fotos und Mondgestein und die Wissenschaftler im Ostblock stellten fest, dass diese Dinge echt waren. Gut soweit. Eigentlich hätten sie gerne einige Kosmonauten auf den Himmelskörper geschickt, um die Weltrevolution zu erweitern, aber zuerst einmal war das Geld knapp und zum Zweiten hatten die Amerikaner das Prestigeduell bereits für sich entschieden.“
„Ganz warm!“ „Ja, du bist nahe dran!“
„Also sagten sich die Sowjets in Moskau, was sollen wir da oben hinfliegen, wo wir nichts finden außer Staub und Steine. Sparen wir uns das Geld und bauen lieber ein paar Mittelstreckenraketen.“
„Du bist kurz davor, Wolf. Mache dein Meisterstück!“
Meine Eltern hatten sich rechts und links neben mich gestellt und meine Hände ergriffen.
„Das ist es, dort oben gibt es etwas wertvolles. Öl!“
So einen Beifall hatte selbst der neu gewählte Papst nicht bekommen, und ich hätte solche Wellen der Emotionen nicht erwartet. Auf den Schultern von acht Zwergen wurde ich herumgetragen. Nun ja, besonders hoch befand ich mich nicht, ich meine körperlich.
„Und,“ so beendete ich meinen Gedankengang, „bis sie eine Möglichkeit gefunden haben, eine Pipeline vom Mond zur Erde zu bauen, sind sie auf das Öl im Nahen Osten angewiesen.“
Die Begeisterung kannte keine Grenzen mehr.
Jack, the Rapper, mit dem ich wegen der Kleinkalibersache noch eine Rechnung offen hatte, gratulierte mir sehr ausführlich und zog einen grasgrünen Frosch aus einer seiner Taschen.
„Als Belohnung bekommst du die Playmate der Woche. Wir haben sie für dich verzaubert. Du weißt ja, wie du sie zurückverwandelst.“
„Küs-sen, küs-sen!“ hörte ich die Aufforderung, ein verbales Stakkato.
Natürlich war ich nicht besonders glücklich, dieses feuchte und glibberige Tier zu knutschen, aber ich beugte mich vor und gab dem verdutzten Frosch einen dicken Schmatzer.
Voller Erwartung der Dinge, die da kommen, verharrte ich auf meinen Platz.
Minutenlang wartete ich, aber außer einem Quaken geschah nichts. In diesem Moment schlugen sich die Anwesenden vor lauter Lachen auf die Schenkel.
Jack grinste mich frech an: „Du glaubst wohl jedes Märchen, oder? Jetzt sind wir quitt.“
Wäre auch zu schön gewesen, um wahr zu sein.
Nach dem Gespräch zwischen Aphrodite und ihrem Diener machten sich die beiden auf, mit der „Drink-King Airline” nach Zentralafrika zu fliegen, um sich dort mit einigen hohen Funktionären der chinesischen KP und einem Voodoo-Zauberer zu treffen. Sie wollten die weitere Vorgehensweise besprechen.
Was sie nicht ahnen konnten, ein alter Freund von mir, der als Kind mit einem Schiff auf einen Eisberg auflief und sich auf einer Eisscholle retten konnte, lebte in der Nähe des Treffpunkts.
Dank guter Winde war er aus der Kälte in die warmen Gefilde abgetrieben worden und hatte die Sprache der Tiere gelernt. Sein Name: Ramzan. Er lebte von dem, was er an Früchten fand und ein wenig Sozialhilfe. Und natürlich von Honoraren des BND, wenn er wieder einmal wichtige Informationen lieferte.
Ramzan war gebürtiger Brite, aber angesichts der damals regierenden „Eisernen Lady”, Maggie Thatcher, nie mehr auf die Insel zurück gekehrt.
Hier im Herzen Afrikas, unter Affen und Elefanten, fühlte er sich viel wohler. Mit Lady Jane, die vor Jahren als Leiterin der Forschungsgruppe Wahlen in die Wüste geschickt worden war, hatte er eine sehr erotische Begleitung, im Vergleich zu seiner ersten Frau, Angie, einer Gorilladame. Dieses Pärchen, das die Liane als Fortbewegungsmittel populär gemacht hatte, konnte nicht viel mit Begriffen wie „Umsatzrendite”, „Gewinnmaximierung” und dergleichen mehr anfangen.