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tägliches literarisches Blogjournal mit Lyrik und Prosa

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J.B. Deluder: Die Kronkorken-Verschwörung (4.FortsetzunG)

 

4. Ace of Spades

 

Soviel zur Vergangenheit. Während ich in Erinnerungen schwelgte und den Fall des entflohenen Kanarienvogels erfolgreich zu Ende gebracht hatte, klopfte Marianne – wie immer im kurzen Rock und mit Push-up-BH reizend anzusehen – an meine Bürotür.

„Wolf, da möchte dich eine Dame sprechen!“

Aha, Auftrag droht, schoss es mir durch den Kopf.

Dezent legte ich die jeansbekleideten Beine auf den Schreibtisch und spielte mit einem elfenbeinfarbigen Brieföffner, als die potentielle Kundin eintrat.

Groß, blond, schlank und kurvenreich! Zack. In solchen Augenblicken ist der Mann noch ein Mann. Beim Versuch, blitzschnell die richtige Sitzposition einzunehmen, drang der Brieföffner in meine Seite, aber es war nur eine Fleischwunde, die mit sechs Stichen genäht wurde, sodass ich noch am gleichen Tag das Krankenhaus hätte verlassen können, aber ich war noch nicht am Ende.

Sie schaute mir in die Augen: „Ich habe gehört, Sie sind der Beste?“

„Madame, bitte nehmen Sie Platz. Falls Sie einen noch billigeren Klempner suchen, vergessen Sie es.“ Sie lächelte verführerisch und führte in einer ganz bestimmten Geste eine Zigarette zum Mund. Sie wissen, ja? Manche Frauen essen Bananen so. Eben so. Das muss reichen. Nutzen Sie Ihre Fantasie!

Sofort beugte ich mich vor, um ihr Feuer zu reichen, wobei ich die Tasse mit dem heißen Kaffee über meine Oberschenkel goss. Die Verbrühungen waren nicht der Rede wert, nach einem Tag stationärer Behandlung konnte ich wieder ins Büro zurückkehren. Verstehen Sie jetzt, warum ich die kleine Stichwunde nur am Rande bemerkte?

Nachdem die Höflichkeiten ausgetauscht waren, begann meine Besucherin, mir unter Mithilfe feuchter Augen ihr Leid zu klagen.

„Mein Name ist Aphrodite Himmelsglück, die zweite Frau von Wilhelm Himmelsglück, bekannt als der ‚Drink-King‘.“

Mir blieb die Spucke weg, wenn das nicht ein Riesenfall würde!

„Ihr Name ist Programm, Aphrodite, die im Schaum Geborene!“

Sie lächelte, wie diese Frauen in solchen Fällen es immer tun.

„Sie sind ein Charmeur. Amy hat mich vor Ihnen gewarnt.“

Ich starrte sie an. Tatsächlich kannte ich eine Amy Scarpaflowpeppa, ehemalige

Pathologin, wohnhaft im vierten Stock und Aushilfe in der Dönerbude gegenüber. Keiner hatte so einen sauberen Schnitt am Fleischgrill.

„Deswegen habe ich Sie aufgesucht. Es gibt da ein Problem.“

Ohne mir weitere Verletzungen zuzufügen, sprang ich auf und durchschritt die gesamte Grundfläche von zehn Quadratmetern meines Büros. Dann wandte ich mich ihr unverwandt zu:

„Schießen Sie los!“

Sie senkte den Kopf und weinte hemmungslos. Und ich meine: hemmungslos.

Wie ich es oft genug gesehen hatte, riss ich mein weißes Oberhemd in Fetzen und reichte ihr einen Teil davon als Taschentuch. Helden wie wir. Seit dem Angriff der Schlangengurken, den ich erfolgreich abgewehrt hatte, konnte ich mich nicht mehr erinnern, so viele Glückshormone ausgeschüttet zu haben.

Nach und nach fand Aphrodite ins Leben zurück.

„Aus der ersten Ehe stammt eine Tochter, also mein Stiefkind, die mir das Leben zur Hölle macht. Sie ist verschwunden.“

Inzwischen hatte ich wieder Platz genommen, doch in der Eile eine Zigarette mit einem Lolly verwechselt, sodass mein Oberlippenbart leicht anschmorte, nachdem die Flamme des obligatorischen Benzinfeuerzeuges dem Plastikstil des Lutschers abgefackelt hatte.

„Sie ist also verschwunden. Soll ich sie suchen?“

Alleine, wie ich diese Frage formulierte, bewies meine Qualitäten im Bereich „Private Ermittlungen”. Sie beugte sich zu mir vor und griff nach meinen schweißnassen Händen. „Oh, wie Sie kombinieren können!“

Nur unter Widerstand löste ich den Handgriff. Ich zückte meinen Kuli, der jedoch schon recht betagt war. Unter dem Druck des Schreibens brach er auseinander, sodass die Feder herausflog und direkt in Mariannes Auge, die gerade frischen Kaffee servierte. Der Augenarzt, ein Spezialist, konnte jedoch die Feder retten, Mariannes Auge zudem auch noch.

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