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tägliches literarisches Blogjournal mit Lyrik und Prosa

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Jürgen Ludwig: Sternenstaub (3)

Tatsächlich steckte Kegeln in einer kreativen Krise. Erst ein leckerer Eintopf seiner Mama brachte ihn wieder auf Erfolgskurs. Schon fast einer Hymne an den Dreiklang glich der Comeback-Hit „Brother Hi-Ho, Hi-Ho“, der musikalisch zwar sehr wertvoll, aber nicht so umsatzträchtig war.

Wäre Dietmar nicht von Haus aus knauserig gewesen, hätte er ein Update für seinen Musikcomputer erstanden, so aber blieb er auf dem „Hi-Ha-Ho“-Niveau hängen und verpasste den Wechsel in eine andere Tonart.

Sein Manager probierte alles, um den Stern von Kegel wieder zum Leuchten zu bringen. So schlug Dr. Kies seinem Schützling einen Werbevertrag vor, den Dietmar jedoch kategorisch ablehnte: „Was, ich soll Werbung für ein Aftershave machen? Niemals. Ich mache meinen Hintern doch nicht nackig und überhaupt, ich habe da überhaupt keine Haare, warum soll ich meinen Allerwertesten rasieren?“

Freunde wandten sich von ihm ab, ehemalige Lebensgefährtinnen enthüllten Skandale über ihn und selbst ein seriöses Wochenmagazin schrieb über Dietmar: „Über Kegeln noch mehr herzufallen grenzt schon ein Leichenfledderei.“

Also wechselte Dietmar das Kunstfach und beschloss, die Welt der Literatur zu beglücken. Ein genialer Schachzug, denn seine bereits erwähnte Biografie „Ich, der Dietmar“ erreichte traumhafte Auflagenrekorde. Vom Erfolg verwöhnt kündigte er schon eine zweite Biografie an, doch sein Manager nahm ihn beiseite.

„Du, Dietmar, ich habe dir etwas zu erklären. Die Sache mit den Büchern. Also, ich habe einen Vertrag mit einem Müllmakler geschlossen. Die beliefern die vielen nicht ausgelasteten Müllverbrennungsanlagen und ich habe diesem Kontaktmann die gesamte Auflage als Sondermüll verkauft. Nun sind die Depots über Jahre gefüllt. Damit will ich dir sagen:

Dietmar, bitte kein zweites Buch.“

Selbstmord? Selbstzweifel? Gar Selbstkritik? Nicht bei Dietmar Kegeln. Dieser unerschütterliche Optimist hatte unverzüglich eine Lösung parat. Aus dem Dschungelcamp kabelte er an seinen Manager, Dr. Kies:

„Ich weiß, wie es weiter geht, ich werde wieder Lieder schreiben und ich habe schon eine Idee: Sister Ho-Hi, Sister Ho-Hi.“

So ist er nun einmal, unser Dietmar. Zwar nicht die Endstufe der Evolution, aber einfach

Hi-Ha-Ho-unkaputtbar.“

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