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tägliches literarisches Blogjournal mit Lyrik und Prosa

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Operation Zeitensprung, 10. Kapitel "Schwanger in der Wurstfabrik" 2. Fortsetzung

Er schien auf eine Bestätigung von uns zu warten. Doch der Mann, den er als unseren Leiter erlebt hatte, Ernst nämlich, war verschwunden. Trotz seiner Masse offenbar ohne, dass irgend jemand bemerkt hatte, wann. Die Sache wurde unheimlich. Plötzlich konnte sich nämlich niemand mehr daran erinnern, dass er überhaupt mit uns im Zentralraum gewesen war. Ich drängte zum Schichtleiter.

„Vielleicht habt ihr etwas übersehen. Wenn wir noch einmal von vorne ..."

„Das hätten wir jetzt sowieso getan. Es ist mir ja alles so peinlich. Wenn ich nur eine Idee hätte, was wir noch tun könnten ..."

Die Idee brauchte er nicht mehr. In der Haupttür stand Ernst. Er hielt Maria in seinen Pranken.

„Chefin?"

Dabei schwankte er ein wenig angetrunken wirkend auf mich zu.

„Ich hab da eine Frage zur Geschäftsordnung. Nämlich, ob ich in unserem Quartier die Patenschaft über meine Rieke übernehmen kann. Sie ist einverstanden. Ich schnarche auch nicht."

Er sah mich wieder mit seinem schrecklichen Bitte-bitte-Hundeblick an.

„Was meinst du mit Patenschaft? Willst du uns nicht verraten, wo du sie gefunden hast?"

„Aber nur, wenn ihr uns versprecht, dass ihr danach nicht laut werdet!"

„Versprochen!"

Ernst sah mich an, als hätte er Knallfrösche in meinen Taschen versteckt. Gleich würden sie explodieren.

„Also am Ausgang des Werkgeländes ist eine Poliklinik. Rieke wollte zu einem Höhlenforscher. Sie hatte ... also eigentlich, sie hatte keine ... Jedenfalls hat der ihr bestätigt, was wir, also Maria und ich, nicht zu hoffen gewagt haben. Wenn die Zeit ran ist, dann sind wir beide zu dritt, also wir alle zusammen fünfzehn. Tut uns Leid, wir dachten, sie wäre rechtzeitig unbemerkt wieder zurück."

Ein Augenblick herrschte grüblerische Stille. Ich brauchte einen Moment, um zu erfassen, dass hier jemand eine eigentlich unmögliche Schwangerschaft durch die Jahrhunderte geschleppt hatte. Nicht nur ich. Denn wir brachen unser Versprechen. Wir brüllten wie wahnsinnig. Ich wagte meine Ängste nicht unter die Freude zu mischen. Dieses winzige Wesen hatte drei Transformationen seiner Mutter mitgemacht. Konnte es das überhaupt überstanden haben? Oder lag die Zeit der Probleme hinter uns?

 

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