Overblog Alle Blogs Top-Blogs Mode, Kunst & Design
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog
MENU

tägliches literarisches Blogjournal mit Lyrik und Prosa

Werbung

Die sieben Kugeln (108)

Jens hörte zu, den Kopf ein wenig gesenkt wie ein Junge, der ne Strafpredigt anhört, aber irgendwie auf dem Sprung. Ein Kater, der vielleicht gleich seine Krallen ausfahren würde. Ich erzählte jetzt ohne Zögern, lächelte gelegentlich zwischendurch.

„… Kunststück: Wir standen wahrscheinlich unter dem Einfluss ihrer Strahlung oder was das für eine Kraft sein mag. Was Positives ja doch wohl. Nebenbei hat diese Kugel bewirkt, dass nie Insekten gebraucht wurden. Warum, weiß ich nicht. Aber dann, dann sind die Schildkröten aus ihr geschlüpft und wir haben sie nicht halten können. Der blasse Rest schläft jetzt im Beutel mit einem der anderen Kristalle. Und nun weiß ich nicht weiter. Da dachte ich, …“

„… klopfst du den alten Sack mit deinen unverkennbaren Reizen weich.“ Jens brummte es auf eine Weise, dass kein Zweifel blieb: Böse war er mir nicht. „Das ist dir gelungen.“

Nun spiel nicht den beleidigten Macho. Das steht dir nicht.“

Endlich fuhr Jens los. Trotz des Autopiloten starrte er konzentriert auf die Straße. Bis zum Grundstück sagte keiner ein Wort. Plötzlich knurrte Jens: „Na, und was ist, wenn mir auch nichts einfällt?“

Dann können wir die Kristalle immer noch wegwerfen oder Petra schicken. Aber müssen wir das wirklich?“ Schon im Aussteigen legte ich nach: „Ich wollte das schon lange. Nicht, dass du denkst, wegen der Kugel. Oder auch, aber anders. Na, egal! War schön. Wirklich. Und … das bleibt unter uns, ja?“

Ich zog die Tür hinter mir zu, fiel Jule um den Hals, sagte „Ich bin also nicht lesbisch.“

Die lachte: „Was hab ich gesagt? …“

Ängste und Wachen

Wir wollten die Untersuchungen an den Kristallen nicht unterbrechen. „Füttern wir die beiden leichten abwechselnd mit Ätzern. Da werden sie dies´ Jahr zwar nich mehr fett, aber mal sehen, wie weit sie sich trotzdem entwickeln.“

Jens hätte bei meiner Bemerkung stutzig werden müssen. Sie entsprach einfach nicht meinem Wesen. Aber er war noch erleichtert, dass seine Affäre folgenlos geblieben war, da plauderte er achtlos weiter: „Weißt du, ich bin richtig überrascht, dass unsere beiden Zwillingspaare überhaupt nicht in ihrem Eifer nachlassen. So ausdauernd waren sie früher nicht. Dabei hat sich während der ganzen Zeit, in der wir hier in unserem Labor herumexperimentieren, nichts verändert…“

Ich wich seinem Blick aus. Mit gespielter Leichtigkeit versuchte ich abzuwiegeln. „Freu dich doch! Das ist bestimmt der positive Einfluss der Kristalle. Außerdem habe ich dir erklärt, dass da die Schildkröten rausgeschlüpft sind, als ganz kleine, verstehst du…“

Ich hab schon verstanden. Ich hatte dir ausdrücklich erklärt, dass du die Zwillinge zurückhalten solltest. Aber ihr musstet zusammen gleich so viel Unsinn treiben, dass du mir erst im verführten Zustand einen Teil davon beichten konntest. Mal sehen, was noch kommt!“

Ich drohte ihm spielerisch mit der Faust. „Es ist überhaupt nicht gut, wenn jeder immer alles weiß…“ Mehr sagte ich nicht.

 

 

Werbung
Zurück zu Home
Diesen Post teilen
Repost0
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post