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tägliches literarisches Blogjournal mit Lyrik und Prosa

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Die sieben Kugeln (98)

Insgesamt hatte sich auch Jule in der Schule verbessert. Sogar ich. Wir richteten uns in einer Bodenkammer bei Marders ein. Dort fühlten wir uns zufrieden und ausgeglichen wie damals in der Oase.

Janine, Jens und Sonja gingen uns auf den Leim. Wie zuvor abgesprochen schlichen sie sich abwechselnd zum Gartenhaus. Sie bekamen was Starkes zu sehen: Wir beiden Großen beaufsichtigten die vier jüngeren Mädchen bei irgendwelchen Aufgaben. Es ging alles sehr leise zu. Alle lernten begeistert. Da bemühten sich die Erwachsenen, sich möglichst geräuschlos zum Haus zurückzuziehen. Sie kamen noch einige Male und abwechselnd. Mitunter konnte ich mir kaum das Lachen verkneifen, wenn ich mir vorstellte, wie unsere filmreife Nachhilfeschule wirken mochte. Eigentlich unglaubwürdig überzogen. Trotzdem zweifelte niemand. Wie drückte Sonja es aus: „Also wisst ihr, ich bin bestimmt nicht beruhigt. Aber solange der unnormale Zustand unserer Kinder sich nur so auswirkt, kann ich damit leben.“ Das, was sie aus der Schule hörte, passte zu dem gerade Gesehenen. Weshalb hätte sie misstrauisch werden sollen?

Was sie alle nicht bemerkt hatten, waren die Lichtschranken. Für einen Ahnungslosen war es unmöglich, nicht irgendwo das gut versteckte Alarmsystem auszulösen. So blieb immer genug Zeit, um die gewünschte Lernidylle zu schaffen. Die wissenschaftliche Arbeit, mit der wir uns in Wirklichkeit beschäftigten, war den Klonies ja ausdrücklich verboten.

Sina hatte so lange gebettelt, mit der komischen Schippe einen der Kristalle füttern zu dürfen, bis ich es ihr erlaubt hatte. War das aufregend! Als ob sie Piranhas einem Riesenmonster zum Fraß vorwarf. Auch Leonie konnte nicht genug von diesem Spektakel bekommen – vor allem, da sie mit dem Gefährlichsten hantierten, was es auf der Erde gab. Das hatte ich ihnen eigentlich zur Abschreckung erklärt, aber erreicht hatte ich das Gegenteil. Wenn sie eine Silitkelle mit Sikroben über einem der Kristalle ausgoss, blähte der sich kurz wie eine lebende Seifenblase auf; glitzerte dabei regenbogenartig, und es zischte und schäumte, bis alle Tropfen verschwunden waren. Der Kristall leuchtete noch eine knappe halbe Minute intensiv blau. Danach sah er aus wie vorher. Auf so was hätte keines der Klonies mehr verzichtet. Und erst die Sikroben! In den beiden Trögen verschwanden die Hausabfälle nach Zischen und Glitzerformen fast spurlos, ja, wir konnten anschleppen und rein werfen, was immer wir wollten – es wurde verschlungen.

Ich hatte den Klonies erklärt, dass der Kristall sich irgendwann verwandeln würde. Vielleicht hätten sie sonst das Interesse verloren. Schließlich gab es außer der regelmäßigen Fütterung nichts zu sehen. Und die war mehrmals täglich gleich. Höchstens, dass sie ein paar Leckerbissen für die Sikroben heimlich heranschafften. Aber so …

Jens und die anderen im Haus waren überzeugt, dass mich nur Julia bei den Fütterungen unterstützte. Sonst wäre Jens wohl nicht so ruhig in sein neues provisorisches Revier am Rand Berlins gefahren.

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