Overblog Alle Blogs Top-Blogs Mode, Kunst & Design
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog
MENU

tägliches literarisches Blogjournal mit Lyrik und Prosa

Werbung

Die sieben Kugeln (93)

Heimlich suchte ich mir eine für mein nächstes Projekt geeignete Astgabel, also eine, die wie ein großes Ypsilon mit langem Stiel aussah. Dort, wo die beiden dünneren Äste vom dicken abzweigten, befestigte ich eine Schachtel für einen unserer Kristalle. Das war zwar ein sehr einfaches Suchgerät, unsere Wünschelrute, aber funktionieren konnte es. Die schwere Kugel unten sollte sie nach unten ziehen, sobald die Rute genau über ihr wäre.

Jens war begeistert von meiner Erfindung. Mit ihr hatte er eine echte Chance, die schwere Kugel aufzustöbern. Schon bald hatte er die ersten Rutengänge über den silizierten Flächen Berlin-Friedrichshains hinter sich. Er wechselte sich mit den zuverlässigsten und verschwiegensten Mitarbeitern ab, doch lange konnte die Sache nicht geheim bleiben. Um ungestört zu bleiben, musste eine weite Fläche abgesperrt werden. Und das mit dem Risiko, dass die Wünschelrute vielleicht nicht anschlug. Durch den gehärteten Brei war der Untergrund nicht zu erkennen. Wenn diese Schicht die Strahlen der Kristalle abschirmte?

Abends hatte Jens immer viel zu erzählen. „ Du kannst zwar genau berechnen, wo früher das Ostkreuz gewesen ist – wenigstens die Längen- und Breitengrade haben sich nicht geändert – ansonsten ist aber alles gleich öde. Ich hab Lisas Angaben so aufbereitet, dass die Kugel innerhalb eines Flächenquadrats von etwa einem halben Hektar gefunden werden müsste, wenn sie nicht jemand vor der Katastrophe weggeschleppt hat.

Wir haben verbreiten lassen, dass sich unter dem Silitpanzer eine Bombe befindet. Die sollen meine Männer mit dem Suchgerät orten und dann sprengen….“

Eigentlich eine starke Idee. Mit jeder Fahrt hoffte ich, Jens würde uns die Kugel präsentieren. Aber nichts geschah. Im Gegenteil: „…Dreißig Felder von jeweils zehn mal zehn Quadratmetern haben wir schon gecheckt. Da taucht diese Frau auf. Plötzlich steht sie am Rand des nächsten Suchquadrats und weist sich als Reporterin des Kuriers aus. Das hatte uns noch gefehlt“, jammerte Jens. „Da bekommt Petra die Nachricht über unseren Fund notfalls aus der Zeitung. Wir wissen noch nicht einmal, ob die Kugel überhaupt dort liegt, da haben wir schon die Presse auf dem Hals. Am Ende wollen die noch die Sprengung der angeblichen Bombe filmen. Das könnte uns unseren geheimen Vorsprung kosten. Uns muss einfach etwas einfallen, dass Petra weiter nichts ahnt und wir trotzdem die schwere Kugel in die Hände bekommen.“

Wie kommt ihr überhaupt durch den Silitpanzer?“ fragte Jule. „Wenn eine so zusammenhängend dicke Decke drüber ist, meinst du, eine einzige Bohrung reicht? Ich denk, das Silit ist so hart?“

Ich habe Falkmann schon mit der Sprengleitung betraut“, antwortete Jens. „Der ist erst vor zwei Wochen in unser Revier versetzt worden und freut sich, so schnell Vertrauen übertragen zu bekommen. Irgendwann muss sowieso renaturiert werden. Da können wir die Platten auch gleich zertrümmern. Das erspart vielleicht teure Sonden, um das Ding zu bergen.“

Wollte Jens mich testen? Einem Kriminalisten musste die Sache verdächtig vorkommen. Aber bevor ich etwas sagen konnte, schaltete sich Sonja ein: „Bist du schon auf die Idee gekommen, dass der Falkmann Petras Maulwurf in deinen Reihen sein könnte? Sie wird sich bestimmt doppelt absichern. Die vertraut dir nicht mehr.“

Werbung
Zurück zu Home
Diesen Post teilen
Repost0
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post