tägliches literarisches Blogjournal mit Lyrik und Prosa
Mensch sein will ich, darum
arbeite ich in der Pflege.
Menschsein ist oft schwer, Nörgler,
Rechthaber, Fieslinge kreuzen
meinen Weg. Aber ein dankbares Lächeln, ein
wohltuender Händedruck geben mir Ansporn.
Mensch sein sollst du, das erwarten
die Vorgesetzten.
Mensch sein ist oft schwer.
Zeitnot, Finanznot, Arbeitszwänge
drücken mich ständig nieder.
Aber ein verständnisvoller Blick,
ein ermunterndes Lob könnten mir Aufwind sein.
Mensch sein werde ich
trotz aller Nöte immer wieder.
Mensch sein ist of schwer.
Leidende Körper und entstellte Gesichter
hinterlassen bei mir Narben,
die immer bleiben.
Aber regelmäßige Selbstpflege,
Freiraum für mich selbst, glätten die Narben
Mensch sein sollt ihr,
erwarte ich von der ‚bestimmten’ Öffentlichkeit.
Mensch sein ist oft schwer
Politiker, Pharmabosse, Versicherungsmanager
bremsen das Mensch sein
Wann gehen ihnen die Augen auf,
wie Mensch sein ist und sein kann?
Mensch sein sollt ihr,
auch wenn ihr euch Leistung kaufen könnt.
Mensch sein ist schwer.
Psychisch und physisch kranke Schwestern
Werden gedemütigt von euch durch Worte und Taten
Wenn alle Schwestern aus dem Beruf fliehen,
wer soll euch dann pflegen?
Dann nützt euch euer Geld auch nichts mehr.
(aus der Anthologie "Notwendigkeit")