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tägliches literarisches Blogjournal mit Lyrik und Prosa

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Jürgen von Stenglin: Die Tautologie

In einer schroffen Wüste liegt ein Strick

Wadendick

der krümmt sich halbvergraben in der Sonne

mit Wonne.

 

Kommen zwei Weise auf ihrem Esel gezogen,

Tautologen,

sie zügeln das Tier und betrachten den Strang

stundenlang.

 

Der erste, wie er die These endlich wagt,

der sagt:

Der Tau. Denn er weiß, ein Strick ist ein Tau,

ganz genau.

 

Dem zweiten behaft diese Deutung nicht,

er spricht:

Ein Seil. Denn er weiß, ein Strick ist ein Seil,

alleweil.

 

Sie streiten und steigen herab von dem Tier

zum Turnier,

sie fassen den Strick mit tintigen Händen

an den Händen.

 

Beharrlich zieh’n sie den mächtigen Faden

zur Geraden.

„Ein Tau ist ein Tau!“ „Ein Seil ist ein Seil!“

„Im Gegenteil!“

 

Der reglose Strick erwacht in der Zange

zur Schlange,

beißt vorne den einen, würgt hinten den zweiten

Gescheiten

 

Zum fadesten Tod. Und sucht einen anderen Fleck als Versteck.

 

Der Esel verscharrt die reisenden Weisen im Sand,

im Nirgendland.

 

Was die –logen auch dachten und sagten, war richtig,

doch nichtig,

schreibt der Totengräber und trabt weiter

ohne Reiter.

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