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tägliches literarisches Blogjournal mit Lyrik und Prosa

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Slov ant Gali, Die sieben Kugeln (57)

 Wie oft hatte Petra solche Szenen im Fernsehen gesehen! Ihr Labor war eine Miniversion des Berliner Katastrophengebietes – nur irgendwie in Zeitlupe. Das konnte einfach nicht sein, überlegte Petra, wo sollten denn hier aktive Sikroben herkommen? Die Testpräparate waren doch in Magnetfeldbehältern fixiert, und die hatten ihre Assistenten eingeschlossen.

Alles, was sie sah, konnte erst in der vergangenen Nacht neu entstanden sein. Aber wie? In der Mitte des Raumes lag noch der Kristallkern der zertrümmerten Kugel … warum hatte sie den eigentlich nicht weggeräumt und danach das Labor gesäubert? Warum waren jetzt unmittelbar um ihn herum alle Partikel wie weggesaugt? Und von dort breitete sich der zähe Brei aus...

Die Kugel! Jens´ Kugel. Rahmans Kugel. War nicht Rahman unter den ersten Opfern der Tropfeninvasion – damals, als die Opfer in den Berichten noch Namen hatten? War das Zufall?

Wenn er nun seine Kugel in Hellersdorf dabei gehabt hatte? Dann konnte dort die Katastrophe von seiner Kugel … Vielleicht hatte er sie auch bestrahlt und geöffnet? Wenn … Dann wiederholte sich hier das alles, was sie schon kannte!

So klein sahen die Sikroben richtig harmlos aus. Blau funkelnde Regentropfen am Boden. Erst wenn sie auf etwas anderes stießen, entfalteten sie ihre Zerstörungskraft. Nur offensichtlich langsamer als in Hellersdorf.

Petra bleib ruhig! Vielleicht ist alles ganz einfach.

Was hatten diese Mädchen behauptet? Die eine habe Gitarre gespielt. Sofort habe der Spuk aufgehört. War so etwas denkbar? Natürlich nicht. Phantasie von Jugendlichen. Aber das da vor ihr war gestern auch noch nicht denkbar.

Langsam wich der Schreck. Dafür war ihr nun schwindlig. Sollte sie nicht das mit dem Gitarrespiel wenigstens einmal selbst ausprobieren? Petra fühlte sich plötzlich besser. Ja, kein Zweifel, sie fühlte sich beschwingt, ja glücklich. Das konnte in ihrer Lage nicht normal sein. Eine Botschaft!? Wenn es nicht half, würde es zumindest nicht schaden. Es war verrückt, aber anderenfalls war sowieso bald alles zu Ende.

Plötzlich prallte Petra zurück wie von einer Druckwelle getroffen. Das Alarmsystem lief automatisch weiter. Gleich käme die Polizei! Das durfte nicht sein. Die würden dabei drauf gehen! Das hier war allein ihr Fall!

Petra drückte die Tür zu, sie lehnte sich noch einen Moment draußen an und sagte mit Blick auf den Analysator „Vier eins sieben, vier eins sechs“.

Erst hielt sie das Klingeln für den Nachhall der Sirene. Dann merkte sie, dass es das Videophon war. Der Wachhabende wollte offenbar eine Bestätigung der Entwarnung. Petra gab sie ihm und begann zu rennen. Sie lief zum Institutsparkplatz, sprang in ihren Wagen und raste in die Innenstadt. Es war acht Uhr zweiundzwanzig, als sie vor dem Schaufenster der noch geschlossenen Musikalienhandlung stand. Bis 9 Uhr konnte sie nicht warten. Die nächsten Menschen waren weit entfernt. Sie würden sich nicht einmischen. Die Polizei wäre auch nicht rechtzeitig da …

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