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tägliches literarisches Blogjournal mit Lyrik und Prosa

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Slov ant Gali, Die sieben Kugeln (43)

Du tust ja so, als wären wir Menschen weiter! Wir sind im Moment nur die einzigen intelligenten Wesen, die wir kennen. Und was tun wir? Tanzen auf einem selbst geschaffenen Pulverfass. Überlegt doch mal: Ist es nicht ein glücklicher Zufall, dass es unsre Erde noch gibt? Ja, viel fehlt uns nicht bis zu Flügen nach fremden Sternen. Die fremden Welten können vielleicht froh sein, dass wir sie noch nicht erreicht haben.“

Bei ihren Worten sah Sonja Jens ins Gesicht. Sie war halb aufgestanden und wurde mit jedem Satz lauter. Petra verdrehte die Augen. Mit ihrer linken Hand deutete sie einen Heiligenschein an.

Sonja fuhr unbeirrt fort. „Wir sind an Atomkriegen vorbeigeschlittert, die selbst gemachte Klimakatastrophe haben wir zigmal vorhergesagt und nichts dagegen getan, wir haben an der Genetik der Natur herumgespielt …eigentlich hätte uns wenigstens eins davon dahinraffen müssen… Von den meisten Fast-Katastrophen wissen wir wahrscheinlich gar nicht. Wir haben es immer wieder versäumt, vernünftige Lebensverhältnisse zu schaffen.“ Mit weit nach vorn gebeugtem Oberkörper bewegte Sonja die Arme wie ein Dirigent eines Orchesters. „Persönlichkeiten, an die man nicht erinnert werden will, haben längst herausgefunden, woran das liegt und was man ändern muss. Aber was hat sich verändert? Nichts. Wir haben sie bekämpft – die Männer und ihre Ideen…“

Sonjas Zunge war schwer. Trotzdem oder gerade deshalb hätte sie wohl den ganzen grillenstillen Abend den tiefsten Sinn des Menschseins herbei philosophiert. Petra war Jens dankbar, als der aufstand, Sonjas Glas auffüllte und ihr die Hand besänftigend auf die Schulter legte. Sonja sah sich einen Moment um, als würde sie gerade gewahr, in welchem Kreis sie saß. Sie senkte kurz den Kopf, hob ihn aber sofort wieder. „Entschuldigt, da ist es wohl mit mir durchgegangen. Lehrer sind manchmal so. Aber lasst mal – im Moment passieren mir die verrücktesten Dinge. Zum Beispiel sind zwei meiner Schülerinnen extra losgezogen, um persönlich an diese Sikroben heranzukommen. Ich war nicht einmal ganz unschuldig daran. Ich wollte der einen nämlich klarmachen, dass es Blödsinn sei, über den Weltuntergang zu phantasieren… Ja, lacht nur. Und wisst ihr was? Sie haben es auch geschafft. …“

Die Story ist bei allen Einsatzkräften umgegangen. Uns reichen ansonsten die Sekten-Gurus, die sich als neue Märtyrer dem Weltuntergang entgegenstellen wollen. Wisst ihr …“ Jens hatte schon vorher skurrile Anekdoten am Rande der Tröpfchenkatastrophe erzählt. Aber Sonja ließ sich nicht so leicht das Wort abschneiden. „Ich bin noch nicht fertig. Das Dollste kommt erst noch. Julia, also die eine von den beiden, hat danach behauptet, sie hätten die Tropfen gestoppt – mit Gitarrenspiel. Es hat ihr natürlich niemand geglaubt. Ich habe viel darüber nachgedacht. Marie, die andere, die sie angestiftet hat, hat schon vorher verrückte Sachen ausgeheckt. Aber sie hat immer nur gesagt, was sie auch gemacht hat. Es hat meistens unglaubhaft geklungen … aber sie hat sich nie irgendwelche Erlebnisse ausgedacht. Ich glaube ihnen. “

Na, dann wissen wir ja, wie wir dem Tod entgegentreten müssen.“ Jens hatte sich aufgerichtet und den Finger wie ein sich meldender Schüler nach oben gestreckt. „Wir bilden einen großen Kreis aus Gitarristen rund um Berlin und singen We shall overcome dazu. Gleich morgen gehts los.“

Die anderen lachten.

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