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tägliches literarisches Blogjournal mit Lyrik und Prosa

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Slov ant Gali, Die sieben Kugeln (38)

Tatjana und Martina, meist Jana und Tina gerufen, hatten Ferien, und Petra hatte sich fest vorgenommen, möglichst viel mit ihnen zu unternehmen. Die Landschaft sah auf der Karte verlockend aus: Rundum Wälder und Seen; Pferde für die Zwillinge wären bestimmt auch da. Ohne die blöden Tropfen in der Nähe ein ideales Plätzchen für einen längeren Urlaub. Einen kleinen Ausflug konnte sie aber trotzdem riskieren. Sie erführe dort Sikroben-Neuigkeiten aus erster Hand. Vielleicht wäre auf Jens´ Grundstück Platz für ein Kinderzelt? Sollte sie die beiden abgeben? Oder sie mitnehmen?

Genug Wenns und Hättes. Umkehren konnte sie immer noch.

Jana und Tina sprudelten vor Erwartungen über. In diesem Jahr waren sie noch nicht einmal gemeinsam verreist. Sie tobten hinten wie lange nicht mehr, aber Petra blieb beim Fahren trotzdem ruhig und entspannt. Wozu hatte sie Automatik?

Die letzten vierzig Kilometer. Eine idyllische Waldlandschaft. Ganz in der Nähe lauerte der Tod?! Die Fernsehberichte hatten über gewaltige Flüchtlingsströme berichtet, hier aber verkehrte kaum ein Fahrzeug. Waren denn alle schon weg? Oder trafen gerade die unbekümmertsten Optimisten und Spinner zusammen? Hatte sie unterwegs eine Sperre verpasst? Nein, das war nicht möglich. Sie war auf Bundesstraßen unterwegs, bog gerade erst von der nach Berlin ab.

Die letzte Abzweigung führte sie auf einen Weg, der für E-Car-Verkehr nicht gedacht zu sein schien. Petra hätte sich nicht gewundert, plötzlich einer Pferdekutsche aus der Zeit der Grafen und Herzöge zu begegnen, und das Gebäude, das dann aus dem Buschwerk auftauchte, hätte gut in die Pferdekutschenzeit gepasst. „Ein Hexenhaus!“ jubelte Jana.

Petra hupte. Eine Frau kam ihr entgegen. „Du also bist Petra. Ich bin Janine. Schön, dass du gekommen bist. Wir dachten schon, es würde sich niemand mehr hierher trauen.“

Jens tauchte in der Haustür auf. Oh Gott! Petra verkniff sich mühsam das Lachen. Aus der Mail wusste sie, dass er Kriminalkommissar war – nur im Moment kam er ihr in Shorts und mit einem Bernhardinerkopf auf dem T-Shirt entgegen.

Jana und Tina schubsten sich aus dem alten E-Car. Streckten der fremden Frau die Hände entgegen. Janine stutzte und starrte die beiden wie Geistererscheinungen an. Petra verfolgte die Geste verwundert. Endlich rief Janine: „Ist denn das die Möglichkeit? Sag nicht, dass das deine Kinder sind?“

Etwas pikiert antwortete Petra: „Doch, klar … Hast du etwas dagegen?“

Nein, ganz und gar nicht. Im Gegenteil. Aber Moment … Sina, Leonie, wo steckt ihr denn?“

Es hörte sich an, als polterten alte Kisten auf Rädern die Treppe herunter. „Was ist denn, Mama?“ Dann standen die Marder-Zwillinge in der Tür, stoppten, gafften ungläubig auf die Herbst-Zwillinge und stotterten: „Das sind ja wir?!“ Unsicher gingen sie auf die Gäste zu. Die Mädchen hielten einander auf Armeslänge voneinander weg, um sich zu betrachten. Leonie rief gerade noch rechtzeitig „Wollt ihr reinkommen?“, um den Wachtraum zu verjagen.

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