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8. Oktober 2011 6 08 /10 /Oktober /2011 07:53

Tja Kinder, eigentlich könnte ich die Geschichte an dieser Stelle beenden, denn es ist sicher allen klar, was Bauer Horst, als er nach seinem Erholungswochenende, welches er dann schließlich auf zwei Wochen ausgedehnt hatte, auf seinem Acker Schreckliches erblicken musste, doch ich will der Vollständigkeit halber doch den Eindruck schildern, besonders weil dieser ja damit gar nicht gerechnet hatte. So stand also unser Bauer völlig verblüfft vor seinem

Acker und starrte auf die Früchte seiner Arbeit. Der Acker war natürlich völlig leer. Nur einige verkrüppelte Pflänzchen in der Nähe des Brunnens hatten sich schüchtern aus dem behaglichen Boden heraus getraut und auch nicht anders sah es direkt an der übergossenen Stelle aus. Die Samen dort waren aufgrund der Wassermenge alle ertrunken und statt dessen wuchsen sehr seltsame, viel dunklere Pflanzen, von denen nichts Gutes zu erwarten war. Seltsamerweise war sogar ein großer Bereich des Wassers gar nicht eingesickert, wodurch sich an dieser Stelle eine grün-bräunliche Lache entwickelt hatte, die etwas faulig zu riechen schien. Lediglich am Rand dieser Abscheulichkeit hatten sich ein paar Pflänzchen einigermaßen entwickelt, was unseren Bauern letztlich zu der Erkenntnis führte, dass sich die Pflanzen wohl von der Gussstelle weg entwickeln würden und so beschloss Bauer Horst lieber später noch einmal nachzuschauen und den merkwürdigen Eindruck dieser Sache lieber erstmal zu vergessen. Doch als er nach ein paar

Wochen wieder vorbeischaute, sah es leider nicht anders aus. Der Acker war immer noch leer. Nur erste Ansätze von Unkraut hatten sich gebildet. Mit Bestürzung musste unser Bauer wahrnehmen, dass die verkrüppelten Pflänzchen ebenfalls kaum weiter gewachsen waren. „Von denen werd ich wohl kaum Früchte erwarten können.“, dachte unser Bauer langsam einsichtig werdend und wandte sich zu „seinen Lieblingen“, also die Pflanzen am Rand des Tümpels, die sich normal entwickelt hatten, doch auch diese schienen „nicht mehr ganz gerade zu sein“, denn die dunklen Pflanzen in der Nähe des Tümpels waren mittlerweile so in die Luft geschossen, dass sie den anderen Pflanzen

kaum mehr Licht ließen, mal abgesehen von den Wurzeln, die solche riesigen Pflanzen haben müssten. Doch was war erst aus der Lache geworden! Diese war unterdessen zu einem stinkenden Moor herangereift, welches faulig trüb vor sich hin blubberte. Von Nutzpflanzen konnte hier nicht mehr die Rede sein. Offensichtlich, schloss unser Bauer, ist zu viel genauso schlimm, wie zu wenig, doch was konnte er nun noch tun? Bauer Horst muss sich in dieser Minute furchtbar gefühlt haben doch sicher würde sein Selbstbewusstsein und seine Gabe der Selbstverleugnung schon sein nötiges Werk tun. Doch machen wir uns doch einfach mal die Mühe und stellen uns absurderweise vor, wie sich die Pflanzen auf Bauer Horst´s Acker erst gefühlt haben müssen. Diese verkümmernden Wesen, denen jegliche Lebensgrundlage entzogen wurde. Doch ich ahne bereits, dass sich dieses Gefühl nur schwer in Worte kleiden lässt und so möchte ich Bauer Horst für kurze Zeit verlassen und dieses Gefühl in einem anderen Bild schildern, denn der geneigte Leser wird sicher schon begriffen haben, dass Bauer Horst´s Leidensgeschichte eine Metapher für etwas ganz anders ist.

Doch für diejenigen unter Euch, die die letzte Erkenntnis von Bauer Horst immer noch nicht nachvollziehen konnten, so dass ihnen das Gefühl, in dem sich die Pflanzen befanden nach wie vor verwehrt geblieben ist, möchte ich den Eindruck der Geschichte auf andere Weise schildern, damit es dann vielleicht einleuchtender ist. Man stelle sich dabei einen Wohltätigkeitsball vor. Eine dieser  Veranstaltungen, in denen sich die hohe Gesellschaft trifft um für bemitleidenswerte Wesen Geld zu sammeln. Dass man sich fragen könnte, ob die Einsparung der ganzen Party nicht vielleicht ebenso viel Geld einbringen würde, sei einmal dahingestellt. Sehr wahrscheinlich sind es eher die minderen

Interessen, aus denen eine solche Veranstaltung im hohen Kreise resultiert. Anders sind die teuren Kleider, die exquisiten Speisen und die Medienpräsenz nicht zu erklären. Doch ich will nicht länger darüber meckern, schließlich geht es mir um das Bild. Also stellen wir uns weiter vor, dass der Kaviarlieferant vor dem Fest einen Fehler gemacht hat, indem er gar nicht mitbekommen hat, dass aufgrund irgendwelcher verfluchten Umweltschützer der Fischeierverkauf in dem Monat der Party drastisch reduziert wurde. Da die gediegenen Herren es gerne frisch mögen, wurden auch keine Vorräte angelegt und so befindet sich der Lieferant der Firma in der Verlegenheit nur eine sehr

geringe Menge an Kaviar für das Fest liefern zu können. Nehmen wir weiter an, die Info kam sehr spät und der Veranstalter konnte nicht mehr rechtzeitig reagieren. So erhalten wir also die Situation,  dass viel zu wenig Kaviar auf dem Ball für die Gäste vorhanden ist. Das heißt, eigentlich wäre es gar nicht zu wenig, man müsste es bloß vernünftig aufteilen, doch als die ersten Gäste die Kunde über den begrenzen Vorrat vernommen hatten, liefen sie hurtig zum Buffet und statteten ihre Teller eilig mit riesigen Mengen Kaviar aus. Zwar bekamen einige von diesen gewaltigen Mengen fast schon Magenkrämpfe, allerdings war das egal. Wichtig war in diesem Moment nur, dass etwas sehr

Wertvolles unbedingt niemals einem Andern überlassen werden durfte und so wurde die Kostbarkeit rücksichtslos gehortet und danach noch rücksichtsloser in sich hineingemapft. Nun kam es leider zu einem sehr unglücklichen Vorfall. Denn eine verspätet eingetroffene Wohltäterin, deren Kleid das Therapiejahr eines Drogenabhängigen gesichert und deren Schmuck alleine einer Schulklasse desillusionierter Fernsehopfer mit Aggressionstendenz die Zukunft ermöglicht hätte, stellte mit Bestürzung fest, dass das Kaviarbuffet leider schon restlos aufgebraucht war und noch viel Schlimmeres wurde ihr gewahr, als sie sich vom Hunger geplagt nach einer Alternative umschaute.

Denn die einzige mögliche Alternative war noch ein silbernes Tablett, auf denen liebevoll verzierte Hummerhälften lagen, doch diese konnte unsere betroffene Wohltäterin nicht essen, da sie leider eine Hummerallergie besaß und so blieb der hungrigen Hungernden nichts anders übrig als an diesem Abend auf ihr ersehntes Mahl zu verzichten und sich mit dem kaum sättigenden Beiwerk zu begnügen, dass unter den mürrischen Gästen verteilt wurde, doch unsere Wohltäterin konnte das alles nicht befriedigen. Sie war sehr traurig darüber, dass die gierigen Wohltäter vor ihr, die

inzwischen vor Übelkeit hellgrün angelaufen waren und Anstalten machten, den Abend vorzeitig zu beenden, alles weggessen hatten und genau so (oder zumindest so ähnlich), liebe Freunde, müssen sich die Pflanzen auf dem Acker von Bauer Horst ebenfalls gefühlt haben. Wenn nicht sogar noch schlimmer, denn ihnen blieb nicht einmal die Hoffnung auf das Ende des Abends, sondern nur ihre alltägliche Angst ums Überleben in der Kälte der Nacht.

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